Editorial
Die von der Dienstleistungsgewerkschaft ve.rdi im Zuge der Auseinandersetzungen um die 40-Stunden-Woche und das 13. Monatsgehalt initiierten Streikmaßnahmen haben nicht nur öffentliche Versorgungsbetriebe wie Krankenhäuser oder die Müllabfuhr getroffen, sondern auch zahlreiche Theater. Von Hamburg bis Freiburg legten nach Angaben des Deutschen Bühnenvereins an fünfzehn Häusern zeitweilig oder dauerhaft Techniker, Beleuchter, Ankleider, kurzum: das Gros der nichtkünstlerischen Mitarbeiter die Arbeit nieder.
Den größten Schaden verursachte der Ausstand an den Staatstheatern in Stuttgart und München. Die Bayerische Staatsoper setzte auf Improvisation, um das Schlimmste, die Absage von Aufführungen, zu verhindern: Zweimal «Carmen» konzertant, der «Holländer» mit Notbeleuchtung, «Rheingold» und «Walküre» halbszenisch – da zogen es viele Besucher vor, ihre Karten zurückzugeben. In Stuttgart mussten wegen des Streiks zwei ausverkaufte Vorstellungen («Onegin»-Ballett, «Figaro») ganz abgesagt werden. Die Konsequenz für das Staatstheater: Einnahmeverluste in Höhe von insgesamt rund 80 000 Euro – eine Summe, mit der zwei Technikerstellen finanziert werden könnten. Zudem wäre eine ...
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