Von Rosen begraben
Der Regisseur Felix Rothenhäusler setzt für seine Stuttgarter Inszenierung von Jules Massenets «Werther» auf die nicht unbedingt grundstürzende Idee einer Ineinssetzung der Bühne mit dem Auditorium, eine ästhetische Unio mystica. Rothenhäusler, Jahrgang 1981, hat Massenets Werk schon 2016 in Bremen inszeniert, für die Staatsoper Stuttgart legt er eine entschieden kondensierte Fassung vor: Alle Nebenfiguren sind gestrichen, was musikalisch bruchlos aufgeht. Alles Dekor und Requisiten wie Brief und Pistolen sind verzichtbar.
Der hochgefahrene Orchestergraben wird zum Schauplatz: Auf einer transluzenten weißen Scheibe umkreisen sich die Protagonisten bis zur Ermüdung. Dahinter ist das Orchester auf der Hauptbühne platziert. Das ist die alleinige szenische Setzung neben den prominent sichtbar über dem Orchester hängenden Reihen der Beleuchtungsbrücken.
Im Orchester sind die Pultabstände großzügig bemessen und so mit aktuellen Hygiene-Vorgaben konform. Der Kontakt zwischen Musikern und Sängern ist dabei kein Problem, die Koordination innerhalb des Orchesters scheint aber nicht ideal. Sind es die Abstände zwischen den Pulten, die weiträumige Akustik durch das nach oben offene ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Götz Thieme
Wie oft bewährt sich die Kunst eines großen Sängers in Liedern, die schwerlich als «groß» zu bezeichnen sind – wie zum Beispiel in jenen Canzoni Napoletane, die, wie Adorno in seiner Musiksoziologie (1962) feststellte, «zwischen Kunstlied und Gassenhauer wunderlich die Mitte halten». Die Frage, ob sie im Verlauf des 20. Jahrhunderts diesen Charakter behalten...
Robert Wilson
Damals, im Sommer 1976, geschah der Musiktheater-Umsturz: Robert Wilson, 34-jähriger Texaner, präsentierte in Old Europe eine Kreation mit dem rätselhaft absurden Titel «Einstein on the Beach», die Minimal Music dazu lieferte der Amerikaner Philip Glass. Das Stück hatte von Avignon aus Furore gemacht, mit Gastspielen in einigen Theatermetropolen....
Eine Stimme, die singt – nichts weiter. Aber was und wie sie singt, verführt in Luciano Berios abstrakt-wortlosem akustischem Theater «Sequenza III» den Hörer. Töne entstehen aus Mundgeräuschen, verschwinden, überlagern sich, die Palette der Laute reicht vom Stöhnen und Keuchen, Lallen und Schnalzen, Flüstern und Schreien, Lachen und Weinen bis zum Sprechen und...
