Grenzenlos schön
Eine Stimme, die singt – nichts weiter. Aber was und wie sie singt, verführt in Luciano Berios abstrakt-wortlosem akustischem Theater «Sequenza III» den Hörer. Töne entstehen aus Mundgeräuschen, verschwinden, überlagern sich, die Palette der Laute reicht vom Stöhnen und Keuchen, Lallen und Schnalzen, Flüstern und Schreien, Lachen und Weinen bis zum Sprechen und Singen. Berio hat diese Anti-Vokalise, die in der Befreiung der Stimme alle nur denkbaren phonetischen Artikulationsarten durchspielt, einst der exzentrischen Cathy Berberian auf den Leib komponiert.
Jetzt singt sie die phänomenale französische Mezzosopranistin Lucile Richardot – ganz anders, aber nicht weniger faszinierend und atemberaubend mit ihrem fast transsexuellen Timbre und ihrer vibratoarmen, an der barocken Aufführungspraxis geschulten Stimmführung. Was bei Berberian einen Hauch von Camp besaß, wird bei Richardot zum Grenzgang zwischen alter und neuer Musik, Monteverdi und Elektronik, Poesie und Banalität. Noch einen Schritt weiter geht sie, ganz im Sinne des Komponisten, in «O King», Berios Hommage an den 1968 ermordeten schwarzen US-Bürgerrechtler Martin Luther King. Hier wird die Stimme, die sich völlig ins ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 53
von Uwe Schweikert
Dass der Leipziger Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. Dass er nun aber auch eine Karriere als Moderatorin eines durch den Äther gleitenden Raumschiff-Senders eingeschlagen hat, das war bislang unbekannt. Lady Ecki nennt sich die freche Plaudertasche im plastikgoldenen Kleid und mit...
Die Trachtenjanker und Gamsbärte, die Dirndl und kunstvoll gezwirbelten Flechtfrisuren im Publikum gibt es nicht mehr. 1998 konnte man sie noch bewundern, als dieses Event wie ein Ufo in dem Tiroler Dorf unweit des Inns landete und dabei das Passionsspielhaus in Beschlag nahm. Doch Wagners «Rheingold» als Gründungsstück der Tiroler Festspiele (damals mit Albert...
Sein Name ist etwas in Vergessenheit geraten. Was mehr als bedauerlich ist, zählte Ludwig Marcuse, dessen 50. Todestag wir in diesem Jahr begehen, zu den feinsinnigsten Beobachtern der menschlichen Spezies, als Schriftsteller, Essayist und Philosoph, als gleichermaßen spitzfindiger wie scharfzüngiger (Frei-)Geist. Insbesondere ein Buch Marcuses, der vorausschauend...
