Außerordentlich inspiriert
Robert Wilson
Damals, im Sommer 1976, geschah der Musiktheater-Umsturz: Robert Wilson, 34-jähriger Texaner, präsentierte in Old Europe eine Kreation mit dem rätselhaft absurden Titel «Einstein on the Beach», die Minimal Music dazu lieferte der Amerikaner Philip Glass. Das Stück hatte von Avignon aus Furore gemacht, mit Gastspielen in einigen Theatermetropolen.
Staunen machte schon, dass die Zuschauer der rund fünfstündigen, pausenlosen Aufführung nicht auf ihren Theaterplätzen ausharren mussten, sondern nach draußen durften, um «Einstein» je nach Belieben neu, vielleicht erfrischt, zu begegnen – John Cages Freiheitsdevise eingedenk: «I welcome whatever happens next».
Alle Parameter neu und streng vermessen, und der abstrakte Handlungsraum als Bühne, auf der die Personen, Objekte und Farben, alle Bewegungsmuster, quasi mechanisch mit den Endlos-Klangschleifen der Musik von Phil Glass und der Choreografie von Lucinda Childs sich verschmelzen konnten. Der Schock ging vor allem vom Tempo der Aufführung aus – einer extremen, systematischen, durchaus quälenden Langsamkeit der assoziativen Bildformationen, Gesten. Nichts ist psychologisiert, alles verschlüsselt in poetischen oder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Jubilare, Seite 80
von Wolfgang Schreiber, Markus Thiel, Jürgen Otten
Es gibt Künstler, deren Ästhetik wie Œuvre relativ homogen, wenn nicht gar monolithisch wirken: Bei aller Entwicklung, auch Variabilität, wirken sie quasi einschichtig, kaum durch Brüche, Widersprüche gefährdet. Was hohe Komplexität keineswegs ausschließt. Komponisten wie Mussorgsky, Bruckner, Webern, Varèse eindimensional zu nennen, käme einem schwerlich in den...
Die Trachtenjanker und Gamsbärte, die Dirndl und kunstvoll gezwirbelten Flechtfrisuren im Publikum gibt es nicht mehr. 1998 konnte man sie noch bewundern, als dieses Event wie ein Ufo in dem Tiroler Dorf unweit des Inns landete und dabei das Passionsspielhaus in Beschlag nahm. Doch Wagners «Rheingold» als Gründungsstück der Tiroler Festspiele (damals mit Albert...
In Glyndebourne dreht sich der Festivalsommer diesmal – durch die Corona-Anpassungen etwas prononcierter als vorgesehen – um die Pole Ehepflicht und Liebe, so fasst Artistic Director Stephen Langridge es zusammen. Man könnte aber auch sagen: um Frauen und ihre Schicksale. Um ihre Versuche, persönliche Bedürfnisse zu verwirklichen, obwohl ihnen gesellschaftlich wie...
