Von frivol bis Fußball

«Historische Aufführungspraxis» – wer denkt da nicht als Erstes an die kritische Befragung vorklassischen Repertoires? Doch längst liegt sogar die Operette unter dem Skalpell der Philologen. Und immer mehr Intendanten nutzen die Befunde, um die alte Tante wieder flottzukriegen. Auf Recherche bei Daisy, Roxy, Viktoria & Co.

Plüschwerk für harmoniebedürfige Abonnenten? Bequeme Polsterware für kassenbewusste Spielplangestalter? Dieses Image hat die Operette abgestreift. Fast überall vorbei die Zeit der Saubermann-Bearbeitungen aus den Wirtschaftswunderjahren. Her mit dem damals unterschlagenen dreckigen Ton, dem frechen Orchesterklang, dem scharfen Witz! «Rekonstruktion» lautet heute das Zauberwort.

Dem Originalsound auf die Spur zu kommen, ist allerdings gar nicht so leicht: Komponisten wie Paul Abraham legten ihre Partituren offen an, ließen Raum für Anpassung an lokale Gegebenheiten, abendliche Launen und instrumentale Moden. Über Noten und Libretti, Dokumente, Film- und Tonaufnahmen aus der Entstehungszeit nähern sich Theatermacher, Forscher und Editoren wieder der «Urgestalt» der Werke. Ein Zwischenbericht

 

Henning Hagedorn ist schwer bepackt. Die Partitur unter seinem Arm ist ein sattes, provisorisch gebundenes Notenkonvolut, auf dem der wohlbekannte Titel «Die Blume von Hawaii» prangt. Paul Abraham hat das Stück auf Texte seines bewährten Librettisten-Teams Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda im Juli 1931 in Leipzig auf die Bühne gebracht; es war nach «Viktoria und ihr Husar» der zweite ...

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Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Operette, Seite 90
von Michael Struck-Schloen

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