Maßgeschneidert für den Betrieb

Pascal Dusapin gehört zu den meistbeschäftigten Komponisten Frankreichs. Doch Prominenz kann auch zum Problem werden. Darauf deutet nicht nur seine Kleist-Oper «Penthesilea»

Etwas vom Besten, was Pascal Dusapin der Welt geschenkt hat, ist seine Klanginstallation «Mille plateaux», die 2014 bei den Donaueschinger Musiktagen vorgeführt wurde. Wer dieses audiovisuelle Kunstwerk aufsuchen wollte, musste eine Art Licht-Schleuse passieren und gelangte dann in einen rabenschwarzen Raum, wo ihn das Brausen eines mal stärkeren, mal schwächeren Sturms und das Rauschen von Regen in unterschiedlicher Heftigkeit empfingen.

Hilflos, ohne jede Möglichkeit der Orientierung war man als Besucher auf sich selbst zurückgeworfen; ein weiterer Schritt, so der Eindruck, könnte sowohl in fatale Leere als auch zu abrupter Begegnung mit einem anderen menschlichen Körper führen.

Ein wenig Licht gab es zwar in dieser von den Elementen gepeitschten Dunkelheit, doch erzeugte es eher Schwindelgefühle, als dass es Hilfe geboten hätte. Es stammte von transparenten Wänden, die den nach und nach als weitläufig erkennbaren Raum durchzogen – und vor denen, ebenfalls nach und nach, auch andere Menschen sichtbar wurden. Auf diesen Wänden erschienen abstrakte, ins Riesige vergrößerte Zeichnungen, die durch digitale Bearbeitung in Bewegung versetzt waren. Je länger man sich in diesem Ambiente ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 50
von Peter Hagmann

Weitere Beiträge
«Ich hatte Glück im Leben, von Anfang an»

Noch immer hat niemand die Lücke geschlossen, die sie nach ihrem Abschied von der Opernbühne 1997 hinterließ. Welche Sopranistin reicht heute an ihre Vitellia, Abigaille oder Leonora heran? Fast vergessen ist, dass Julia Varady sich auch vehement für Musik des 20. Jahrhunderts einsetzte. Davon zeugt nicht zuletzt ein CD-Recital mit Liedern von Kodály, Bartók,...

Wichtige Sängerinnen und Sänger der Saison

Christian Gerhaher gelingt als Monteverdis Orfeo in David Böschs Inszenierung am Münchner Prinzregententheater «die stufenlose Entwicklung des Klangs aus der Sprechstimme, ... das überlegte und überlegene Nuancieren, auch das heldische Zupacken: Mit einem Suchen nach barocker Phrasierungspraxis hat das weniger zu tun, sondern ... mit Wahrhaftigkeit» (OW 9-10/2014)....

Alles Gute kommt von unten

Neue Oper – in den USA erlebt sie einen wahren Boom. Längst bringen Uraufführungen auch Kassenerfolge. Komponisten wie Jake Heggie, John Corigliano, Mark Adamo oder Kevin Puts sorgen für volle Häuser. Mit bekannten (Film-)Stoffen und einer tonal verankerten Musik, die in der avantgardegeprüften Alten Welt ziemlich alt wirkt. Antimoderner Reflex? Kotau vor dem...