Vive la fatalité!
Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir, Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz das Gebaren der Mächtigen als lächerliche Wichtigtuerei entlarvte, Moralisierer mit frivolem Raffinement entwaffnete und selbst noch im bizarrsten Bühnentumult wunderbare Inseln der Innigkeit zu schaffen wusste.
Es musste erst mal wieder ein «runder Geburtstag» her, damit man sich daran erinnert, dass Jacques Offenbach mehr als Barcarole, Cancan und den Spielplan-Dauerbrenner «Les contes d’Hoffmann» komponiert hat. Seine Geburtstadt Köln fühlt sich jetzt besonders herausgefordert, mit einem aufwendigen Neujahrskonzert des Gürzenich-Orchesters hat sie ein veritables Offenbach-Jahr eröffnet. Für dessen Abwicklung war sogar eigens eine Offenbach-Gesellschaft gegründet worden. Um den 200. Geburtstag am 20. Juni wird dann, man glaubt es kaum, auch die ewige Baustelle des Kölner Opernhauses am Offenbach-Platz bespielt – mit ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Josef Oehrlein
Gute Komödien sind komplexe Kunstwerke. Sie provozieren bitterböses wie befreiendes Lachen, entlocken uns ein Schmunzeln und stimmen doch nachdenklich. «Die verkaufte Braut» ist so eine gute, weil kluge Komödie. Parallel zu den «Meistersingern von Nürnberg» entstanden, avancierte Smetanas Singspiel schnell zur tschechischen Nationaloper, wurde wie Wagners...
Antonio Vivaldis Oper über den illyrischen Bauernsohn Giustino, der 518 den oströmischen Kaiserthron bestieg, ist ein bühnenwirksames Spektakel, das nach zahlreichen kriegerischen Verwicklungen und erotischen Intrigen schließlich zu einem Happy End führt. Der Librettist plünderte ein älteres Textbuch (das Händel erneut benutzen sollte), der Komponist übernahm die...
Ganz schnell kann so etwas gehen, innerhalb einer Woche. Einmal «La Bohème», einmal «La sonnambula», eine Rossini-Farce, das Neujahrskonzert, und Termin für Termin, salamitaktisch, wird die Erinnerung an Gustav Kuhns musikalisches Wirken gelöscht. Verantwortlich dafür: Paolo Carignani, Friedrich Haider, Oksana Lyniv und Patrick Hahn. Und eine Übergangsregierung...
