Vive la fatalité!
Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir, Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz das Gebaren der Mächtigen als lächerliche Wichtigtuerei entlarvte, Moralisierer mit frivolem Raffinement entwaffnete und selbst noch im bizarrsten Bühnentumult wunderbare Inseln der Innigkeit zu schaffen wusste.
Es musste erst mal wieder ein «runder Geburtstag» her, damit man sich daran erinnert, dass Jacques Offenbach mehr als Barcarole, Cancan und den Spielplan-Dauerbrenner «Les contes d’Hoffmann» komponiert hat. Seine Geburtstadt Köln fühlt sich jetzt besonders herausgefordert, mit einem aufwendigen Neujahrskonzert des Gürzenich-Orchesters hat sie ein veritables Offenbach-Jahr eröffnet. Für dessen Abwicklung war sogar eigens eine Offenbach-Gesellschaft gegründet worden. Um den 200. Geburtstag am 20. Juni wird dann, man glaubt es kaum, auch die ewige Baustelle des Kölner Opernhauses am Offenbach-Platz bespielt – mit ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Josef Oehrlein
Mitte Dezember, ein Samstagmorgen auf dem Hauptplatz in Biel. Markant das in die Häuserzeile eingebaute Stadttheater, davor herrscht Wochenmarkt. Bunt ist das Angebot, es wird gelacht und geplaudert – man kennt sich eben. Vielleicht wird auch über die Opernpremiere von gestern gesprochen, einen Abend mit zwei Einaktern aus dem späteren 20. Jahrhundert. Vor der...
Der Mond leuchtet über Illyrien. Zwar nur mattglänzend, aber doch hell genug, um eine Prise surrealer Schönheit auf die Szene zu streuen. Was auch dringend geboten erscheint: Ehedem ein Eiland der Glückseligen, Zauberer und Fantasten, ist der magische Ort arg heruntergekommen: keine Palmen, keine rauschenden Wellen, keine sanften Dünen, nichts davon. Dafür ein...
Das Breitwandspektakel, das Herbert von Karajan 1966 als Regisseur und Dirigent in Salzburgs Großem Festspielhaus unter dem Titel «Carmen» präsentierte, wurde von der Kritik überwiegend negativ aufgenommen. Und das betraf nicht nur die szenische Seite. Der Vorwurf: Karajan habe Bizets opéra-comique zu einer Grand opéra aufgeblasen. Die Verfilmung dieser...
