Herr des Himmels!
Der Abend beginnt mit einem Schrei, der irgendwo aus den Höhen der Philharmonie kommt, gefolgt von einem «Halleluja»! Und auch sonst ist alles anders bei dieser «Messiah»-Aufführung: Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt, zum ersten Mal in seiner 62-jährigen Geschichte, auf Darmsaiten und mit Barockbögen. Außerdem sitzen die Musiker ganz hinten auf der Bühne, während ihr Chefdirigent Robin Ticciati in die entgegengesetzte Richtung blickt.
Dadurch haben jene Besucher einen akustischen Vorteil, die auf den billigen Plätzen sitzen, während die auf den teuren in den Genuss von Ticciatis anmutiger Hand- und Arm-Choreografie kommen.
Die interessanter anzuschauen ist als das, was der Tänzer Ahmed Soura auf dem weiß bezogenen Podest veranstaltet, das dort platziert ist, wo sonst der Maestro steht. Denn Soura verdoppelt in Gestus und Bewegungsgeschwindigkeit lediglich die parallel erklingende Musik. Um sein Podest herum sitzen in drei Halbkreisen die Solisten und der RIAS Kammerchor. Zur «szenischen Einrichtung» des Oratoriums durch den Regisseur Frederic Wake-Walker trägt Letzterer jedoch kaum etwas bei: Ab und an müssen die Sängerinnen und Sänger aufstehen, nur einmal kommen sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 29
von Frederik Hanssen
Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche...
Zu einer Zeit, als auch für das Lied orchestrale Heerscharen aufgeboten wurden, stimmte Hugo Wolf mit dem «Italienischen Liederbuch» einen Lobgesang auf den Zauber des Alltäglichen an – gleich die erste Nummer kündigt das programmatisch an: «Auch kleine Dinge können uns entzücken». Anfang 2018 waren Wolfs 46 Miniaturen europaweit einem Arena-Ambiente ausgesetzt:...
Herr Hasselhorn, mussten Sie bei der Aufnahme Ihrer «Dichterlieben» manchmal aufpassen, in welcher Vertonung Sie sich gerade befinden?
Man muss sich als Sänger bewusst machen, dass zwei verschiedene Vertonungen desselben Textes in ganz verschiedene Ausdrucksbereiche vorstoßen können. Zum Beispiel fordern dieselben Wörter manchmal andere Färbungen. Aber auch der...
