Viva Napoli!
Maestro Muti, Sie sind ein leidenschaftlicher Anwalt der Musik Ihrer Heimatstadt Neapel. Umso mehr erstaunt es, dass Sie sich bei Rossinis «Moses» nicht für die neapolitanische Urfassung, sondern für die spätere französische Version entschieden haben...
... weil die zweite Version einfach die bessere ist. Rossini hat hier die Möglichkeit einer Überarbeitung genutzt, um das Stück zu einer echten Großen Oper zu machen. Die Fassung für Neapel ist sozusagen die Embryonalform und daher musikarchäologisch interessant.
Aber wenn ich die Wahl habe, würde ich mich immer für den französischen «Moïse» entscheiden.
Hat sich Rossini für Paris stark an den Geschmack des französischen Publikums angepasst?
Natürlich hat er den Konventionen der französischen Oper Genüge getan und große Ballette integriert. Aber die Dramatik seiner Musiksprache bleibt die gleiche, auch wenn man seine Melodien auf Französisch singt. Ich glaube ohnehin, dass die ernsten Opern Rossinis seine wichtigsten sind – trotz «Barbiere», «L’italiana» und «Cenerentola». Nehmen Sie «Wilhelm Tell», das ist eine Kathedrale der Oper! Mein Lehrer Antonio Votto hat mir erzählt, wie sein Lehrer am Konservatorium von Neapel ihm die ...
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