Aus vollen Händen
Ein Wurf? Wenn man «Hamlet» mit den Meisterwerken von Hans Werner Henze oder mit Aribert Reimanns «Lear» vergleicht – dann gewiss nicht. Doch mit sonstigen Berliner Uraufführungen kann sich die neue Oper von Christian Jost ohne Mühe messen. Der Publikumserfolg des Premierenabends galt neben dem pragmatisch zupackenden Gestus vor allem der Tatsache, dass hier kantable Musik einer Stimme auf den Leib komponiert war. Und die gehört der in Berlin beliebten Mezzo-Sopranistin Stella Doufexis (zugleich Ehefrau des Komponisten).
Vom robusten Naturell der Vorlage profitiert das Libretto des Komponisten. Mit Hamlets erstem Monolog («Schmölze doch dies allzu feste Fleisch…») heben die «12 musikalischen Tableaux» an, nach Ophelias Beerdigung wird rasch und mit Messergewalt Schluss gemacht. Die Person Hamlets drängt den Rest von Shakespeares Personal stark genug an den Rand, um eine noch konsequentere Konzentrierung und Monologisierung zu ermöglichen (während im Gegenteil etwa der «Sein oder Nichtsein»-Monolog in der Schlegel-Übersetzung auf den Chor verteilt wird). Das Manko eines zu pragmatischen Umgangs mit dem Stück fällt umso mehr auf, als die Inszenierung von Hausherr Andreas Homoki (die ...
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