Aus vollen Händen
Ein Wurf? Wenn man «Hamlet» mit den Meisterwerken von Hans Werner Henze oder mit Aribert Reimanns «Lear» vergleicht – dann gewiss nicht. Doch mit sonstigen Berliner Uraufführungen kann sich die neue Oper von Christian Jost ohne Mühe messen. Der Publikumserfolg des Premierenabends galt neben dem pragmatisch zupackenden Gestus vor allem der Tatsache, dass hier kantable Musik einer Stimme auf den Leib komponiert war. Und die gehört der in Berlin beliebten Mezzo-Sopranistin Stella Doufexis (zugleich Ehefrau des Komponisten).
Vom robusten Naturell der Vorlage profitiert das Libretto des Komponisten. Mit Hamlets erstem Monolog («Schmölze doch dies allzu feste Fleisch…») heben die «12 musikalischen Tableaux» an, nach Ophelias Beerdigung wird rasch und mit Messergewalt Schluss gemacht. Die Person Hamlets drängt den Rest von Shakespeares Personal stark genug an den Rand, um eine noch konsequentere Konzentrierung und Monologisierung zu ermöglichen (während im Gegenteil etwa der «Sein oder Nichtsein»-Monolog in der Schlegel-Übersetzung auf den Chor verteilt wird). Das Manko eines zu pragmatischen Umgangs mit dem Stück fällt umso mehr auf, als die Inszenierung von Hausherr Andreas Homoki (die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Jahr 2009 ist ein Jahr der Komponistenjubiläen – man denke nur an Henry Purcell, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Interesse an dem vor 50 Jahren verstorbenen Tschechen Bohuslav Martinu freilich hält sich noch immer in engen Grenzen. Dabei weist Martinus umfangreiches Werkverzeichnis allein 14 Opern auf; einige sind...
Jetzt spüren es auch die Lipizzaner. Elisabeth Gürtler, Chefin des Hotels Sacher, Opernballexpertin und seit einigen Monaten zudem Geschäftführerin der Spanischen Hofreitschule, beklagte bei Letzterer Besucherrückgänge und ein daraus resultierendes Defizit. Staatsoperndirektor Ioan Holender konstatierte schon vor Wochen Einbußen bei sonst überbuchten Vorstellungen...
Franco Zeffirellis «Carmen»-Inszenierung aufs Korn zu nehmen, ist wie aufs Rote Kreuz zu schießen. Seit die Produktion 1995 herauskam, hat sie mit ihrer läppischen Betriebsamkeit – es treten lebende Tiere, Flamencotänzer, Toreros und jede Menge buntes Volk auf – immer wieder für spöttische Bemerkungen (nicht nur der Kritik) gesorgt. Vor der handwerklichen...
