Viel Unrecht, viel Trost
Wenn man von Vilnius kommt, erhebt sich die mittelalterliche Wasserburg Trakai mit ihren Dornröschen-Türmen wie im Märchen aus dem sanft umwaldeten Galve-See. Hier könnte sich der Prolog von Amilcare Ponchiellis Historienoper «I Lituani – Die Litauer» (1874) zugetragen haben. Die drei folgenden Akte spielen 500 Kilometer westlich auf der Marienburg bei Danzig. Dort, in der Machtzentrale der Deutsch-Ordensritter, lässt sich der fiktive Litauer-Held Konrad Wallenrod anwerben, um sich hochzudienen. Zu Beginn der Haupthandlung wird er zum Hochmeister des Ordens gewählt.
Doch Wallenrod nutzt das Amt, auf das er zehn Jahre lang hingearbeitet hat, um die Feinde seines Volkes in eine vernichtende Schlacht zu führen.
Adam Mickiewiczs byroneske Verserzählung «Konrad Wallenrod», 1828 in russischer Verbannung gedichtet, wurde zum Symbol des polnischen Nationalcharakters (wie das «faustische Streben» das des deutschen, die «Oblomowerei» das des russischen). «Wallenrodismus» hieß: sich den Okkupatoren bis zur Preisgabe der Identität anzupassen, um im entscheidenden Moment zuzuschlagen. Kein Wunder, dass sich Ponchiellis Librettist Antonio Ghislanzoni dafür begeisterte. In der unmittelbar vorher ...
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Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
Bereits im Vorfeld hatte die Münchner «Aida»-Produktion Wellen geschlagen, als Barbara Frittoli die Titelrolle zurückgab – als Grund gab sie an, Probleme mit dem Stil von Neuinszenierungen in Deutschland zu haben. Sie hätte unbesorgt sein können. Christof Nel hat die am Machtkartell von Staat und Kirche zerbrechende Liebe zwischen der äthiopischen Kriegsgefangenen...
Auf ein Neues! Der Freiburger «Ring» ist auf seiner dritten Station bereits bei seinem dritten Dirigenten angekommen. Fabrice Bollon, seit dieser Saison GMD, wird das Unternehmen auch 2010 zum Zyklus bündeln. Wie er und das propere Philharmonische Orchester Freiburg nun den «Siegfried» ausbreiteten, das ist schlicht bravourös. Diese Wagner-Deutung mag anfangs zum...
