Viel Unrecht, viel Trost

Ponchielli: I Lituani in Vilnius

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Wenn man von Vilnius kommt, erhebt sich die mittelalterliche Wasserburg Trakai mit ihren Dornröschen-Türmen wie im Märchen aus dem sanft umwaldeten Galve-See. Hier könnte sich der Prolog von Amilcare Ponchiellis Historienoper «I Lituani – Die Litauer» (1874) zugetragen haben. Die drei folgenden Akte spielen 500 Kilometer westlich auf der Marienburg bei Danzig. Dort, in der Machtzentrale der Deutsch-Ordensritter, lässt sich der fiktive Litauer-Held Konrad Wallenrod anwerben, um sich hochzudienen. Zu Beginn der Haupthandlung wird er zum Hochmeister des Ordens gewählt.

Doch Wallenrod nutzt das Amt, auf das er zehn Jahre lang hingearbeitet hat, um die Feinde seines Volkes in eine vernichtende Schlacht zu führen.
Adam Mickiewiczs byroneske Verserzählung «Konrad Wallenrod», 1828 in russischer Verbannung gedichtet, wurde zum Symbol des polnischen Nationalcharakters (wie das «faustische Streben» das des deutschen, die «Oblomowerei» das des russischen). «Wallenrodismus» hieß: sich den Okkupatoren bis zur Preisgabe der Identität anzupassen, um im entscheidenden Moment zuzuschlagen. Kein Wunder, dass sich Ponchiellis Librettist Antonio Ghislanzoni dafür begeisterte. In der unmittelbar vorher ...

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Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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