Glanz und Elend eines Bauherrn

Under construction oder: Die Münchner Opernfestspiele mit «Lohengrin» und «Trouble in Tahiti» unter Kent Nagano: Eindrücke von den Münchner Opernfestspielen

Opernwelt - Logo

München hat eine neue Opernformel: Under construction. Staatsopernintendant Nikolaus Bachler gab für seine ersten Festspiele eine Devise aus, die bis in die neue «Lohengrin»-Inszenierung hinüberschwappte. Sie will nach Auskunft des Hauses die schlichte Tatsache als Idee verbreiten, «dass die Kunstform Oper beständig dem Wandel unterworfen ist und immer neu befragt werden muss, also ihrem Wesen nach mit jeder Inszenierung, jeder Aufführung ‹under construction› ist».

Ein eigens errichtetes Zelt auf dem Marstallplatz direkt hinter dem Staatsoperngebäude war zehn Tage lang der Ort für, wie es offiziell hieß, «eine Vielzahl diskursiver und performativer Veranstaltungen».
Bachlers Ehrgeiz ist auch bei seinen ersten Opernfestspielen ersichtlich: Ein Festival als Großevent soll es sein, womit der ehemalige Wiener Burgtheaterchef mit den umliegenden Luxusfestivals zumindest in der Ausstrahlung gleichziehen möchte. Zum ersten Mal wurde eine Festspielpremiere live auf den Münchner Opernplatz übertragen, derweil im National-
theater die illustren Premierengäste aus Politik, Wirtschaft und Medien den gewünschten Glanz verbreiteten.

Gleich zwei Opernpremieren im Abstand von zwei Tagen bestätigten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Wolfgang Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vor den Augen eines Wolfes

In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen...

Mal wieder richtig austoben

Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...

Glotzt nicht so romantisch

«Der junge Lord», das Produkt engster und einvernehmlichster Zusammenarbeit des Komponisten Hans Werner Henze und der Dichterin Ingeborg Bachmann, ist ein vertracktes Stück: Es bietet eine gut geölte Komödienmaschinerie mit scharf umrissenen Typen und eine effektvolle, raffiniert instrumentierte Musik, die als moderne Reinterpretation klassischer Topoi der...