Viel Lärm um nichts
Keine Frage: Als gute, alte Tante wird die Oper das 21. Jahrhundert allenfalls im Museum überleben. Wenn immer nur die gleichen fünfzig oder sechzig Stücke den Spielplan prägen, ist die Mumifizierung der Gattung vorprogrammiert. Da kann die post-dramatische Regie noch so kühn Händel und Mozart, Verdi und Wagner oder Puccini und Strauss auseinandernehmen – der Anschluss an die gelebte Gegenwart dürfte kaum gelingen, wenn der Sinn für die Historizität des Kanons und dessen Vitalisierung durch neue (Meister-)Werke verloren ginge. Bis zum frühen 20.
Jahrhundert war die Sphäre des Kernrepertoires noch ein offener Park, auf dem, von kundigen Gärtnern und Freizeitbotanikern aufmerksam, mitunter auch naserümpfend gehegt, neben altem Holz merkwürdige Junggewächse gediehen, deren Duft den Tag überdauerte. Frische Triebe brechen natürlich nach wie vor aus dem Boden, heute vielleicht mehr als je zuvor. Doch kaum einer scheint sich vom Dickicht so deutlich abzuheben, dass man von atemraubenden, unwiderstehlich verstörenden, gar zeitlos schönen Formen einer unbekannten Spezies sprechen würde. Das meiste wuchert flach am Boden, Grünzeug und bunte Blümchen für den Hausgebrauch, mit Kunstdünger ...
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Der Würzburger Komponist und Hochschullehrer Marcus Maria Reißenberger ist hauptsächlich mit Bearbeitungen hervorgetreten, geht dabei aber den umgekehrten Weg wie Liszt und Busoni, die meist größer besetzte Werke fürs Klavier transkribierten. Jetzt hat Reißenberger Lieder Schumanns und Klavierminiaturen aus dessen «Waldszenen» für ein kleines Ensemble aus zehn...
Es ist eine wechselhafte Beziehung, die das Wiesbadener Opernpublikum mit Dietrich W. Hilsdorf verbindet: Seit 1986 inszeniert der Regisseur am Hessischen Staatstheater, nach einer neunjährigen Pause ist er seit Beginn der Intendanz von Manfred Beilharz 2002 wieder regelmäßig zu Gast in Schauspiel und Oper. Hilsdorfs Arbeiten sind von einer erstaunlichen...
Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, besser bekannt und gefürchtet als Stalin, der «Stählerne», hatte ein zu kurzes Bein. Ein «teuflischer» Defekt, den er gut zu verbergen wusste. Auch wir wussten nichts davon, ehe Stephen Lawless uns im Programmheft darüber aufklärte. Denn der Regisseur des Doppelabends mit Tschaikowskys «Iolanta» und Rachmaninows «Francesca da...
