Viel Lärm um nichts
Keine Frage: Als gute, alte Tante wird die Oper das 21. Jahrhundert allenfalls im Museum überleben. Wenn immer nur die gleichen fünfzig oder sechzig Stücke den Spielplan prägen, ist die Mumifizierung der Gattung vorprogrammiert. Da kann die post-dramatische Regie noch so kühn Händel und Mozart, Verdi und Wagner oder Puccini und Strauss auseinandernehmen – der Anschluss an die gelebte Gegenwart dürfte kaum gelingen, wenn der Sinn für die Historizität des Kanons und dessen Vitalisierung durch neue (Meister-)Werke verloren ginge. Bis zum frühen 20.
Jahrhundert war die Sphäre des Kernrepertoires noch ein offener Park, auf dem, von kundigen Gärtnern und Freizeitbotanikern aufmerksam, mitunter auch naserümpfend gehegt, neben altem Holz merkwürdige Junggewächse gediehen, deren Duft den Tag überdauerte. Frische Triebe brechen natürlich nach wie vor aus dem Boden, heute vielleicht mehr als je zuvor. Doch kaum einer scheint sich vom Dickicht so deutlich abzuheben, dass man von atemraubenden, unwiderstehlich verstörenden, gar zeitlos schönen Formen einer unbekannten Spezies sprechen würde. Das meiste wuchert flach am Boden, Grünzeug und bunte Blümchen für den Hausgebrauch, mit Kunstdünger ...
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Genau ein Jahr nach dem ersten Band der Musiktheater-Schriften von Joachim Herz (OW 2/2011) sind die beiden Folgebände erschienen; die Auswahl hat der große Regisseur vor seinem Tod im Oktober 2010 noch selbst treffen können. Band II ist zunächst der italienischen (Schwerpunkte sind Verdi und Puccini), russischen und tschechischen (Janácek) Oper des 19. und frühen...
Bücher beherrschen die Szene. Stefan Heyne entwarf zwei riesige, haushoch-halbrunde Bibliothekswände: das gespeicherte Wissen der Menschheit. Der Band mit dem Schwanenbild fällt indes vom Himmel. Der herbeigebetete Held streckt seinen Widersacher mit einem Buch nieder. Aber: Bücher kann man auch schänden, verbrennen. Sobald der Weg ins allgemeine Heil geebnet...
