Viel Lärm um nichts
Keine Frage: Als gute, alte Tante wird die Oper das 21. Jahrhundert allenfalls im Museum überleben. Wenn immer nur die gleichen fünfzig oder sechzig Stücke den Spielplan prägen, ist die Mumifizierung der Gattung vorprogrammiert. Da kann die post-dramatische Regie noch so kühn Händel und Mozart, Verdi und Wagner oder Puccini und Strauss auseinandernehmen – der Anschluss an die gelebte Gegenwart dürfte kaum gelingen, wenn der Sinn für die Historizität des Kanons und dessen Vitalisierung durch neue (Meister-)Werke verloren ginge. Bis zum frühen 20.
Jahrhundert war die Sphäre des Kernrepertoires noch ein offener Park, auf dem, von kundigen Gärtnern und Freizeitbotanikern aufmerksam, mitunter auch naserümpfend gehegt, neben altem Holz merkwürdige Junggewächse gediehen, deren Duft den Tag überdauerte. Frische Triebe brechen natürlich nach wie vor aus dem Boden, heute vielleicht mehr als je zuvor. Doch kaum einer scheint sich vom Dickicht so deutlich abzuheben, dass man von atemraubenden, unwiderstehlich verstörenden, gar zeitlos schönen Formen einer unbekannten Spezies sprechen würde. Das meiste wuchert flach am Boden, Grünzeug und bunte Blümchen für den Hausgebrauch, mit Kunstdünger ...
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Frau Larmore, warum werden Ihre Rollen plötzlich böse?
Es war fällig. Aber ich bin fast sicher, dass ich mit mehr grauen Haaren als jetzt daraus hervorgehen werde.
Vor allem bedeutet die Rolle der Küsterin einen Fachwechsel!?
Ich sehe es eher so, dass ich meinen bisherigen Rollen eine neue hinzufüge. Dass die Küsterin funktioniert, hat mich übrigens gar nicht so...
Herr Brück, Sie wirken vom Typus her robust. Sind Sie es?
Ich kann eine Menge einstecken, das ist richtig. Man muss es können. In dem Moment, wo man sich öffentlich präsentiert, wird man auch öffentlich angreifbar.
Als dünnhäutig würden Sie sich nicht bezeichnen. Aber als normal?
Schon, aber mit einer gesunden Portion Schamlosigkeit. Ich denke, das ist sogar ein...
Nach den Komödien «Les Paladins» und «Platée» in den letzten beiden Spielzeiten hat die Deutsche Oper am Rhein ihren Rameau-Zyklus jetzt mit der 1737 entstandenen Tragédie en musique «Castor et Pollux» abgeschlossen. Rameau greift für den mythologischen Stoff der antiken Dioskuren die hybride Mischform der opéra-ballet auf, die Lully am Ende des 17. Jahrhunderts...
