Versuchsanordnung
Es ist ein kühnes Unterfangen, Goethes «Wahlverwandtschaften», jenen Roman, der auch für gestandene Germanisten nicht unbedingt zu den kurzweiligsten Lektüreerinnerungen gehört, auf ein Musiktheaterstück von knapp zwei Stunden einzudampfen.
Der für das Libretto zuständige Autor Armin Petras reduziert Goethes in epischer Breite angelegtes Werk dazu auf seinen experimentellen, in der Dichtung gleichsam auf chemische Konstellationen zurückgeführten Grundgehalt: Zwei zunächst scheinbar innig verbundene Paare lösen sich voneinander und gehen eine neue geistig-erotische Verbindung mit dem jeweils anderen Gegenüber ein. Diese menschliche Versuchsanordnung wird in die Gegenwart versetzt – gerade heute spielt der Begriff des «Lebensabschnittsgefährten» ja eine immer bedeutendere Rolle in der Paarbeziehung – und dem Zuschauer in meist banalen Sätzen, oft Ich-Aussagen, kundgetan. Dazu kommen zwei längere, ziemlich moralinsaure Reden über die Liebe und über das Glücklichsein sowie eine Reihe lyrischer Popsong-Texte in englischer Sprache.
Das alles ist Material zu einem Work in Progress, das zusammen mit Kompositionsangeboten der beiden Musiker Thomas Kürstner und Sebastian Vogel laut ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhart Asche
Oper oder Oratorium? Das ist hier nicht die Frage. Die Fakten sind eindeutig. Und besagen, dass «Saul», uraufgeführt am 16. Januar 1739 im King’s Theatre am Haymarket zu London, ein geistliches, typisch englisches Oratorium ist, in dem Georg Friedrich Händel, wie schon bei «Esther», «Deborah» und «Athalia», auf ingeniöse Weise Merkmale der italienischen Seria mit...
Zwei musiktheatralische Kurztrips durch die Wüste: Die Uraufführung «A Wintery Spring» des in Deutschland eingebürgerten jordanischen Komponisten Saed Haddad und die eine mosaische Überlieferung behandelnde Karfreitagskantate «Il serpente di bronzo» (1730) des lange in Dresden tätigen böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka. Dem extravaganten Duo diente im...
Vielleicht war die Verlockung einfach zu groß. Immerhin kommen in Heinrich Marschners Dreiecksdrama ja reichlich arbeitsame Erdgeister vor, die der amtierenden Erdgeisterkönigin und ihrem Königssohn Schätze schaffen, als seien es Wagners Nibelungen. Es wird darin auch das Fest der Heiligen Barbara gefeiert, der Patronin aller Bergleute. Und als kurz vor Schluss das...
