Erdgeist, bleib bei deinen Geistern
Vielleicht war die Verlockung einfach zu groß. Immerhin kommen in Heinrich Marschners Dreiecksdrama ja reichlich arbeitsame Erdgeister vor, die der amtierenden Erdgeisterkönigin und ihrem Königssohn Schätze schaffen, als seien es Wagners Nibelungen. Es wird darin auch das Fest der Heiligen Barbara gefeiert, der Patronin aller Bergleute.
Und als kurz vor Schluss das einfache Mädchen Anna und der gute Junge Konrad heiraten – ein Desaster für den Geisterprinzen, denn wegen dieser Anna ist er aus den Tiefen seines Reiches zu den Menschen aufgestiegen –, als er also seine einzige Hoffnung auf Glück und Liebe zernichtet sieht, da ist im Libretto sogar eine Gruppe von «Bergknappen-Musikanten» vorgesehen.
Vielleicht war die Verlockung zu groß, in Essen nicht nur den immer noch ein wenig zu entdeckenden Marschner und sein umgekehrtes Undinendrama aus dem Jahr 1833 zu erproben, sondern Andreas Baesler darauf die Geschichte des Bergbaus und gleich noch die der Essener Krupps projizieren zu lassen. Ende des Jahres wird in Bottrop die letzte Ruhrgebietszeche schließen, die Geschichte des Kohlereviers ist dann zu Ende. Von da an ist die Oper zuständig, die ja am Eindrücklichsten von dem ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Holger Noltze
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