Verspielt
Im Musiktheater unserer Tage wird gern die kritische Philosophie als Stichwortgeber bemüht. Von Adorno bis zu Peter Sloterdijk und von Horkheimer bis zu Giorgio Agamben reicht die Palette der Vordenker, deren Analysen zum schlechten Stand der Welt die (im Programmheft mitgelieferte) Folie für manche Regiearbeit bilden, die eine radikale Neubefragung, wenn nicht eine Neuerfindung des alten Stückekanons anstrebt.
Im Fall der jüngsten Deutung von Charles Gounods «Faust»-Oper, die aus diesem zwischen Opéra comique, Grand Opéra und Drame lyrique changierenden «Werk des Übergangs» (Ulrich Schreiber) an der Berliner Staatsoper eine in grelles Kaltlicht getauchte Glücksspiel-Parabel herauslesen will, muss Walter Benjamin herhalten. Die Kultur des Kapitalismus ist ein in sich kreisender Kult um den Konsum, eine profane Religion, die den Menschen Vereinzelung und Verzweiflung beschert: Ein Abschnitt aus Benjamins berühmtem Trauerspiel-Buch von 1928 bildet den geistigen Faden, an dem sich Karsten Wiegand entlanghangelt, um die in Goethe-Land nach wie vor unter Kitsch-Verdacht stehende Gretchen-Soap aus der Zeit des Second Empire mit den Realitäten unserer finanzkrisengeschüttelten Gegenwart ...
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In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...
Roman Brogli-Sacher, Lübecks seit Neuestem auch Regie führender GMD, ist nicht der Erste, der die Korrespondenz der «Salome»-Partitur zur bildenden Kunst entdeckt hat, aber er hat mit dem von Ulrike Radichevich zum Bühnenbild umfunktionierten Gemälde «Ad Parnassum» von Paul Klee eine besonders überzeugende Trouvaille vorgestellt: ein Bild von einer die Musik...
Noch ehe die Kontrabässe zum tiefen Es des «Rheingold»-Vorspiels ansetzten, konnten Wagner-Fans sich über den just gestarteten neuen «Ring»-Zyk-lus an Plácido Domingos Los Angeles Opera orientieren: Fotos zeigten vorab die in kräftigen Farben leuchtenden, wilden Fantasieräume, die der Bühnenbildner und Regisseur Achim Freyer für das Projekt entworfen hat. Eine...
