Unter Paul Klees Sternen
Roman Brogli-Sacher, Lübecks seit Neuestem auch Regie führender GMD, ist nicht der Erste, der die Korrespondenz der «Salome»-Partitur zur bildenden Kunst entdeckt hat, aber er hat mit dem von Ulrike Radichevich zum Bühnenbild umfunktionierten Gemälde «Ad Parnassum» von Paul Klee eine besonders überzeugende Trouvaille vorgestellt: ein Bild von einer die Musik gleichsam ins Optische umsetzenden differenzierten Farbigkeit, abstrakt in seiner Grundanlage, aber doch Möglichkeiten zu konkreten Assoziationen bietend, die – wie die bildbeherrschende Gestirnsscheibe – eine Verbindung herst
ellen zu Oscar Wildes Libretto.
Statt nun aber aus diesem neu gewonnenen bildnerischen Ansatz Kapital zu schlagen für die szenische Umsetzung des Werks, lässt Brogli-Sacher das Stück in altgewohnter Gestik ablaufen. Er buchstabiert es sozusagen textgetreu durch, nicht ohne dass ihm dabei Biederes, Spannungsloses, bisweilen Peinliches unterläuft: Wie etwa Salome, Jochanaans Leib begehrend, den Propheten umhüpft, das grenzt schon fast an unfreiwillige Komik, und wie sie, mit Schleiern behängt, die Hüften wiegend, zu ihrem berühmten Tanz antritt, passt eher zur satirischen Sicht der Kálmán’schen «Bajadere» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der liebe Gott ist auch dabei. Wenn Hörner, Trompeten und Posaunen fortissimo den Vorhang zum grotesken Mysterienspiel wegblasen, hat er schon im Himmel Platz genommen. Ein schrulliger Alter mit wilder Mähne und weißem Rauschebart. Für die putzigen Putten, die um ihn herum am Firmament kleben, scheint er sich nicht zu interessieren. Eher schon für Frau Faust auf...
Mit ihrem Rosenkavalier werde die Musikwelt «stimmlich und darstellerisch auch in besonderen Fällen rechnen können», prophezeite die Grazer «Tagespost» am 9. November 1949 nach dem sensationellen Debüt der erst 25-jährigen Hertha Töpper im dortigen Opernhaus. Und in der Tat: Der Octavian wurde die zentrale, wurde die Schicksalspartie in der Karriere der...
Da sitzt er nun am Lido in Venedig, so steif wie sein Anzug, und quält sich mit Selbstzweifeln, während die anderen dem bunten Strandtreiben nachgehen. Dichterfürst Gustav von Aschenbach ist vor einer Schaffenskrise nach Italien geflohen, aber seine Lebenslüge holt ihn unbarmherzig ein, und seine unterdrückten Triebe geraten in einen letztlich tödlichen Konflikt...
