Verschenkt

Manotskov: Chaadsky
Moskau | Helikon-Oper

Verstand schafft Leiden. Dieses Apodiktum aus Alexander Gribojedows (1795 – 1829) gleichnamigem Theaterstück ist in Russland längst zum geflügelten Wort geworden. Denn die Wut auf die Moskauer Elitenclique trieb beileibe nicht nur Chazky, den scharfsinnigen Helden der Verskomödie, um. Auch deren Verfasser kannte das Gefühl von Ohnmacht hinlänglich.

Gribojedow, der mehrere orientalische Sprachen, darunter das Persische, beherrschte, zählt zu den tragischsten Figuren der russischen Literatur; nachlesen kann man das in Jurij Tynjanows großem analytischen Roman «Der Tod des Wesir-Muchtar» aus dem Jahre 1928; die Persönlichkeit des Schriftstellers, Diplomaten, Pianisten und Freimaurers sowie seine gespannten Beziehungen zur Macht sind darin facettenreich beschrieben.

Das Libretto der nun in Moskau uraufgeführten Oper «Chaadsky» von Alexander Manotskov verknüpft die giftige Brisanz von Gribojedows Komödie mit Bezügen zu den «Philosophischen Briefen» des mit ihm befreundeten Freimaurers Pjotr Tschaadajew und Tynjanows Roman; am Ende werden zusätzlich persische Sufi-Gedichte und ein Ausschnitt aus Nikolaj Gogols «Tagebuch eines Wahnsinnigen» zitiert. Angesichts von so viel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Alexej Parin

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mal ehrlich August 2017

Ach, der Sommer! Faule Nachmittage in der Sonne, blühende Gärten, Picknicks auf der Wiese – und Oper Open Air. Wir Briten fahren auf Outdoor-Bühnen total ab. Beim ersten Sonnenstrahl im April rauscht alle Welt zum Baumarkt, um Grill und Gartenmöbel zu kaufen; zugleich gehen Tickets zu Freiluftveranstaltungen aller Art weg wie warme Semmeln. Gerade so, als hätten...

Singparabel

Zwei Jahre bleiben Aviel Cahn noch als Intendant der Opera Vlaanderen. In der verbleibenden Zeit hat der Schweizer, der 2019 an das Grand Théâtre Genf wechselt, noch viel vor in Antwerpen und Gent. Die kommende Spielzeit 2017/18 etwa wird er mit Erich Wolfgang Korngolds höchst selten aktiviertem «Wunder der Heliane» eröffnen. Für einen neuen Blick auf Debussys...

Vor Sonnenuntergang

Auch wenn sich die Assoziation nicht unmittelbar anbietet, mussten wir bei Aufführungen von Debussys «Pelléas et Mélisande» oft an Fritz Kortner denken. «Du hättest Zuckmayer heiraten sollen», ätzte dieser einmal, als Gattin Johanna Hofer sich an einem Sonnenaufgang entzündete. Denn das Misstrauen der Intellektuellen gegenüber einem Übermaß an «Natur» ist groß;...