Kühle Perfektion
Mit Ausnahme der unglücklichen Marfa in Nikolai Rimsky-Korsakows «Zarenbraut» hat Olga Peretyatko bisher hauptsächlich Partien des italienischen Opernrepertoires interpretiert. Auf ihrer neuesten, vierten CD stellt sie sich erstmals mit russischen Arien und Liedern vor – für westliche Hörer, wenn man von Sergej Rachmaninows unverwüstlichem Bravourstück «Vocalise» einmal absieht, durchweg Raritäten.
Reizvoll ist die Begegnung auch, weil Peretyatkos leicht und mühelos geführter, am Belcanto-Ideal geschulter Koloratursopran ganz ohne die klanglichen Härten auskommt, die slawische Sängerinnen oft hören lassen.
Den Anfang macht die Kavatine der Ljudmila aus Michail Glinkas Zauberoper «Ruslan und Ljudmila», in der Peretyatkos Höhe manchmal etwas schrill klingt. Ideal passen ihr gläsernes Timbre und der kühle, fast passive Ausdruck zu den im Zentrum des Programms stehenden Arien aus Rimsky-Korsakows «Snegurotschka», «Sadko», «Zarenbraut» und «Der goldene Hahn» – Stücke von exotischem Reiz, deren oft unbequeme, da chromatisch verhakte Stimmführung sie mit makelloser Intonation und virtuoser Koloraturtechnik bewältigt. Man muss bis zu Antonina Neshdanowas Einspielung aus dem Jahr 1910 ...
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