Vergesst uns nie!
Der Titel des achten (und vor dem Epilog) letzten Bildes aus Mieczysław Weinbergs Oper «Die Passagierin» verrät kaum, welch gewaltige Peripetie in ihm steckt und wie viel von der Idee eines Menschen in der Revolte. «Konzert» ist dieses Bild überschrieben, und ein ebensolches steht nun auch in jenem Raum des Badehauses im KZ Auschwitz an, der jedoch im Theater Lübeck kaum als solcher auszumachen ist. Das «Häftlingsorchester» sitzt hier nicht direkt vor den Augen der SS-Männer und Aufseher sowie der Häftlinge, die starr staunend am Rand harren.
(Fast) alles andere stimmt mit dem Original überein: Der namenlose Kommandant des Konzentrationslagers, für den eigens ein Stuhl reserviert wurde, wünscht sich seinen Lieblingswalzer, und als Tadeusz, Martas Verlobter, mit der Violine in der Hand die Szenerie betritt, rechnet wohl niemand damit, dass sich gleich etwas Einzigartiges zutragen wird. Ein Mensch bekundet seine Autonomie (so als wolle er jenen Satz des russisch-jüdischen Dichters Josip Brodsky beglaubigen, wonach ein freier Mensch einer sei, der nicht klage, wenn er eine Niederlage erleide), und er tut dies im Angesicht einer rücksichtslosen Vernichtungsmaschinerie, von der er weiß, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Im Plenarsaal des Deutschen Bundestages werden 16 Nonnen hingerichtet. Eine nach der anderen sinken sie zu Boden, darüber schwebt drohend der Bundesadler. Ein Ort, der vielen als Symbol der Rechtsstaatlichkeit gilt, wird zum Schauplatz des Terrors. Die ungeheuerliche Szene bringt die Befürchtungen auf den Punkt, die Regisseur Paul Georg-Dittrich und sein Team für...
Ob Größe S oder XL, ob 54 oder sogar 59, das ist hier egal. Diese Hüte passen allen, das Metall ist ja schön schmiegsam. Bevor man also den Martini-Park betritt, muss man draußen an der Aluhut-Station vorbei. «Anfertigung nach Maß», verspricht ein Plakat und: «Weil Sie es uns wert sind». Manche tragen die Kopfbedeckung tatsächlich in der Premiere, schließlich...
Dolce vita mit Pizza ’Ndrangheta: In Hagen spielt eine französische Operette im italienischen Mafia-Milieu. Der Titelheld ist ein Gangster, sein Gegenspieler, König Bobèche, ein Emporkömmling aus der Halbwelt, mit einer frappierenden Ähnlichkeit zu Silvio Berlusconi. Der vielleicht schamloseste italienische Politiker der jüngeren Geschichte eignet sich gut als...
