Unbegrenztes Sehnen
«Gleich von unbegrenztem Sehnen/ Wie entfernt von träger Ruh’/ Müsse sich mein Leben dehnen/ Wie ein Strom dem Meere zu ...» Wir wissen nicht, ob Aleksandra Kurzak dieses Gedicht von Friedrich Rückert gelesen hat; gleichwohl könnte es sehr gut als Motto über ihrem neuen Album stehen. Der Titel «Desire», den sie dem Recital gab, mag derlei Assoziationen erlauben, erzählt er doch auch von ihrem künstlerischen Sehnen nach Partien, von denen sie zu Beginn ihrer Karriere im lyrischen Koloraturfach nicht einmal zu träumen wagte.
Pragmatisch gesehen könnte man auch von einem Musterkatalog künftiger Erwartungen sprechen.
Auf jeden Fall führt die Polin in diesem Album Momentaufnahmen von Frauen vor, deren Sehnsüchte unterschiedliche Ursachen und Ziele haben, was ihr zugleich Gelegenheit gibt, neue Perspektiven auf diese Charaktere zu finden. Sie überzeugt mit ihrem pikanten Timbre sowie mit der Gabe, Phrasen empfindsam sul fiato (auf dem Atem) zu bilden und in erfüllten, verinnerlichten Piani fortzuspinnen – wie etwa gleich am Anfang in «Io son l’umile ancella» aus Cileas «Adriana Lecouvreur». In Elviras Szene «Surta è la notte – Ernani! Ernani, involami» kann sie auf ihre Erfahrungen im ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Gerhard Persché
Am schlimmsten sind die Wutbürger. Kläffen sich die Seele aus dem Leib, sobald der Vorhang fällt, in der Hoffnung, man werde ihnen die gebührende Aufmerksamkeit schenken. Und, so betrüblich es ist: Es funktioniert. Der ganze Saal blickt sich um, wenn aus den oberen Rängen, wo die Schreidackel bevorzugt sitzen, das niederschmetternde «Buh» auf die armen Künstler,...
Wer am 7. März die Wiederentdeckung von Hans Gáls Märchenoper «Die heilige Ente» im Marguerre-Saal des Theaters Heidelberg erlebt hatte und nach sieben quälenden Schließmonaten erstmals dort wieder den Vorhang hochgehen sah, vergaß alles, was in der Zwischenzeit passiert war. Wieder war es ein fantastisch-komisches Spiel mit tragischen Untertönen – eine...
Es liegt wohl nicht nur daran, dass eine der legendärsten Produktionen des Theatermagiers Robert Wilson vor genau 30 Jahren das Licht der Theaterwelt erblickte und deshalb gerade jetzt so häufig gespielt wird. Vielmehr kommt «Black Rider», Wilsons Adaption des «Gespensterbuchs» von Adolf Apel auf ein Libretto von William S. Burroughs mit der Musik von Tom Waits den...
