Unbegrenztes Sehnen
«Gleich von unbegrenztem Sehnen/ Wie entfernt von träger Ruh’/ Müsse sich mein Leben dehnen/ Wie ein Strom dem Meere zu ...» Wir wissen nicht, ob Aleksandra Kurzak dieses Gedicht von Friedrich Rückert gelesen hat; gleichwohl könnte es sehr gut als Motto über ihrem neuen Album stehen. Der Titel «Desire», den sie dem Recital gab, mag derlei Assoziationen erlauben, erzählt er doch auch von ihrem künstlerischen Sehnen nach Partien, von denen sie zu Beginn ihrer Karriere im lyrischen Koloraturfach nicht einmal zu träumen wagte.
Pragmatisch gesehen könnte man auch von einem Musterkatalog künftiger Erwartungen sprechen.
Auf jeden Fall führt die Polin in diesem Album Momentaufnahmen von Frauen vor, deren Sehnsüchte unterschiedliche Ursachen und Ziele haben, was ihr zugleich Gelegenheit gibt, neue Perspektiven auf diese Charaktere zu finden. Sie überzeugt mit ihrem pikanten Timbre sowie mit der Gabe, Phrasen empfindsam sul fiato (auf dem Atem) zu bilden und in erfüllten, verinnerlichten Piani fortzuspinnen – wie etwa gleich am Anfang in «Io son l’umile ancella» aus Cileas «Adriana Lecouvreur». In Elviras Szene «Surta è la notte – Ernani! Ernani, involami» kann sie auf ihre Erfahrungen im ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Gerhard Persché
Lullys letzte, 1686 uraufgeführte Oper «Armide» überdauerte alle Stürme der Zeit und stand bis 1766 regelmäßig auf dem Spielplan der Pariser Opéra – in freilich zunehmend übergriffiger Bearbeitung, bis ihr schließlich Glucks Opernreform, wie der französischen Tragédie en musique insgesamt, das Lebenslicht ausblies. Als Gluck dann 1777 das Sakrileg beging, Philippe...
Gibt es so etwas überhaupt? Eine «freundliche Einsamkeit» und «amouröse Brisen»? Nun ja, bei Wolfgang Amadé Mozart schon, genauer: in jenem zartgliedrigen, leuchtend-verträumten Accompagnato-Rezitativ aus «Idomeneo», das über einem liegenden A-Dur-Akkord anhebt und in der Folge einen samtenen Teppich aus sordinierten Streichern und Klarinetten webt, darauf die...
Andreas Heinzmann gibt sich selbstbewusst: «Wir imitieren nicht, wir schaffen mit den vorhandenen Instrumenten die Kontraste neu!» Heinzmann ist Künstlerischer Leiter der in den ehemaligen Ritterwerken angesiedelten Pasinger Fabrik, des – sieht man vom Gastspielhaus Deutsches Theater ab – einzigen städtischen Opernbetriebs in München und des ihn beherbergenden...
