Verdi: Otello
Musikalisch würde Münsters neuer «Otello» jedem größeren Theater zur Ehre gereichen. Lance Ryan überzeugte bei seinem Deutschland-Debüt mit schlanker, hell timbrierter Stimme, die auch in den gefürchteten exponierten Höhen der Titelpartie über die nötige heldische Durchschlagskraft verfügt. Nur die Deklamatopassagen – etwa beim physischen Zusammenbruch Otellos im dritten Akt, in dem Ryan sich in aufgesetzte Schluchzer rettete – besitzen noch nicht genügend dramatische Substanz.
Jaco Venter war ein stimmlich ungemein sicherer, allerdings in der Artikulation des Textes oft etwas farbloser Jago. Rundum überzeugend Sabine Ritterbuschs Desdemona, die dem Gesang des schuldlosen Opfers – wie von Verdi gewünscht – tonschön und mit makelloser Phrasierung die nötige Empfindungstiefe gab. Am Pult sorgte Münsters GMD Rainer Mühlbach, trotz eines rabenschwarzen Abends der Streicher, für großbögigen Zusammenhalt und Spannung, wenn auch der letzte Biss fehlte. Szenisch war längst nicht alles so im Lot. Peter Beat Wyrsch fokussiert die Geschichte von der (Selbst)-Demontage des Helden als Kammerspiel. Dass dies nicht aufgeht, liegt nicht zuletzt an Boito und Verdi, bei denen sich das Drama eben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Darauf war man gespannt: wie Nigel Lowery, kaum dass «Katrina» abgeklungen war, «seinen» Hurrikan auf Mahagonny zurasen lässt. Dass seine Arbeit an «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» bereits fortgeschritten war, als die Jahrhunderttragödie über New Orleans hereinbrach – gewiss. Dass ihm – vor lauter Schreck? – außer einer sich ängstlich zusammenrottenden und...
So ereignet sich Opernglück. Man steht unter einem gemalten Himmel in einem klassizistischen Salon und blickt an Kristalllüstern vorbei in echten Himmel. Zarte Wolken türmen sich effektvoll, lassen dramatisch Sonnenstrahlen durch, die sich putzende Blesshühner bescheinen, welche im englischen Gartental vor Drottningholms Schlosstheater dösen.
Eine Wendung um 180...
Herr Konold, Sie sind seit diesem Jahr als Nachfolger von Wolfgang Gönnenwein künstlerischer Leiter der Ludwigsburger Festspiele und gleichzeitig Intendant des Staatstheaters Nürnberg. Was hat Sie an dieser Aufgabe und an dieser Doppelrolle gereizt?
Zwei Dinge. Zum einen: Ich vergleiche ein Staatstheater mit fünfhundert Mitarbeitern immer mit einem Supertanker. Sie...
