Götzendämmerung in der Wüste
Darauf war man gespannt: wie Nigel Lowery, kaum dass «Katrina» abgeklungen war, «seinen» Hurrikan auf Mahagonny zurasen lässt. Dass seine Arbeit an «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» bereits fortgeschritten war, als die Jahrhunderttragödie über New Orleans hereinbrach – gewiss. Dass ihm – vor lauter Schreck? – außer einer sich ängstlich zusammenrottenden und ärgerlich schlecht geführten «Menge» in albernen Regenhäuten nicht eine zündende Idee eingefallen ist, mutet dennoch enttäuschend an.
Lowery, der Regisseur und Ausstatter, ist acht Jahre nach seinem skandalträchtigen «Hänsel und Gretel»-Überfall Basels anhänglichster Opernunruhestifter. Und auch diesmal lässt er sich, wiewohl so brav wie lange nicht, in puncto Überraschungen nicht lumpen, sobald erst mal auf einer Leinwand eine mannshohe Ratte dem Unwesen ihrer Artgenossen zwischen den Wolkenkratzern präludiert und das Sündenbabelgründungstrio sich in silbrigem Astronauten-Outfit durch den Bühnenboden wie auf den Mond heraufgearbeitet hatte. Dort bewegt es sich fortan in Arztkitteln. Indes, der Mond ist schon bewohnt, eine (Platten-)Baustelle, deren monitorreiche Schaltzentrale bald angeworfen ist.
Natürlich, es setzt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Theorie und Bühnenbild wirkt es schlüssig: die 1871 in Kairo uraufgeführte «Aida» ebendort anzusiedeln – nämlich in der luxuriösen Lobby eines britischen Kolonialhotels während des Krieges zwischen Großbritannien und Äthiopien (1876) und der Besetzung Ägyptens (1882) (Bühne: Dieter Richter). Doch im Laufe des Abends erweist sich, dass dieses Konzept nur an der...
«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste...
Musikalisch würde Münsters neuer «Otello» jedem größeren Theater zur Ehre gereichen. Lance Ryan überzeugte bei seinem Deutschland-Debüt mit schlanker, hell timbrierter Stimme, die auch in den gefürchteten exponierten Höhen der Titelpartie über die nötige heldische Durchschlagskraft verfügt. Nur die Deklamatopassagen – etwa beim physischen Zusammenbruch Otellos im...
