Gut und Böse
So ereignet sich Opernglück. Man steht unter einem gemalten Himmel in einem klassizistischen Salon und blickt an Kristalllüstern vorbei in echten Himmel. Zarte Wolken türmen sich effektvoll, lassen dramatisch Sonnenstrahlen durch, die sich putzende Blesshühner bescheinen, welche im englischen Gartental vor Drottningholms Schlosstheater dösen.
Eine Wendung um 180 Grad führt ins geheimnisvoll von elektrischem Wackelkerzen-Dämmer erhellte Auditorium, wo Marmor und Gold Pappmaché und Farbe sind, wo alles Musik und Bild gewordene Illusion ist, und wo vierhundertfünfzig Zuschauer erwartungsfroh harren. Der Auftakt im einzigen voll funktionsfähigen Barocktheater Europas, das eine deutsche Schwedenkönigin, Luise Ulrike von Preußen, Schwester Friedrichs des Großen, erbauen und ihr theaterverrückter Sohn Gustav III. zweimal am Tag bespielen ließ, er ist jedes Mal etwas Besonderes.
Das findet nur die schwedische Regierung nicht, die die Zuschüsse für das sommerliche Opernfestival in dem Schloss, zehn Kilometer vor Stockholm, stetig herunterfährt. So war dieses Jahr neben einem Marivaux-Schauspiel und Martín y Solérs «La capricciosa correta», einer Abwandlung von «Der Widerspenstigen ...
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Roberto de Simone, erfahrener neapolitanischer Musik- und Theatermann, erfüllte sich einen alten Traum, indem er Paisiellos komische Oper «Socrate immaginario» aus dem Jahr 1775 im Teatro San Carlo inszenierte. Von seinem Musiklehrer Anfang der fünfziger Jahre auf die Buffa aufmerksam gemacht, ließ ihn diese spöttisch-ironische Burleske, bei der sich die...
Tokio, Ende September. In den Katakomben der Kongress- und Konzerthalle Bunka Kaikan. «Tannhäuser», erster Aufzug. Auf der Bühne schmettert Venus (alias Waltraud Meier) gerade dem zur Abreise entschlossenen Titelhelden (alias Robert Gambill) die Wut der düpierten Liebhaberin ins Gesicht: «Nie wird Vergebung dir zuteil.» Hinter den Kulissen schleicht bereits Matti...
Die Krise des CD-Marktes verschont auch die Opern Richard Strauss’ nicht: Obwohl gerade die Spätwerke wie «Die Ägyptische Helena», «Daphne» und «Danae» seit einigen Jahren eine Renaissance auf den Bühnen erleben, ist davon auf CD nur wenig zu spüren. Selbst Christian Thielemann, der wohl profilierteste Strauss-Dirigent unserer Tage, durfte bislang noch keine...
