Gut und Böse
So ereignet sich Opernglück. Man steht unter einem gemalten Himmel in einem klassizistischen Salon und blickt an Kristalllüstern vorbei in echten Himmel. Zarte Wolken türmen sich effektvoll, lassen dramatisch Sonnenstrahlen durch, die sich putzende Blesshühner bescheinen, welche im englischen Gartental vor Drottningholms Schlosstheater dösen.
Eine Wendung um 180 Grad führt ins geheimnisvoll von elektrischem Wackelkerzen-Dämmer erhellte Auditorium, wo Marmor und Gold Pappmaché und Farbe sind, wo alles Musik und Bild gewordene Illusion ist, und wo vierhundertfünfzig Zuschauer erwartungsfroh harren. Der Auftakt im einzigen voll funktionsfähigen Barocktheater Europas, das eine deutsche Schwedenkönigin, Luise Ulrike von Preußen, Schwester Friedrichs des Großen, erbauen und ihr theaterverrückter Sohn Gustav III. zweimal am Tag bespielen ließ, er ist jedes Mal etwas Besonderes.
Das findet nur die schwedische Regierung nicht, die die Zuschüsse für das sommerliche Opernfestival in dem Schloss, zehn Kilometer vor Stockholm, stetig herunterfährt. So war dieses Jahr neben einem Marivaux-Schauspiel und Martín y Solérs «La capricciosa correta», einer Abwandlung von «Der Widerspenstigen ...
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Wagner im Klassenzimmer – die Idee hatte zuerst Peter Konwitschny, als er in Hamburg «Lohengrin» inszenierte. Auch im «Liebesverbot» geht es um die Jugend, konkret: um den Widerstreit jugendlicher Anarchie mit den Gesetzen der Sittenwächter. Ob das Stück, das Wagners Periode des «Jungen Deutschland» spiegelt, auch unter gänzlich veränderten Moralgesetzen aktuell...
Als der spanische König Philipp III. sah, wie ein junger Mann sich vor Lachen krümmte, kommentierte er dies mit den Worten: «Entweder der Bursche hat den Verstand verloren, oder er liest gerade den ‹Don Quijote›». Kann man den eigentümlichen Charakter eines Buchs besser beleuchten, das vor genau vierhundert Jahren das Licht der nicht allein literarischen Welt...
«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste...
