Verdi: La traviata

Erfurt

Opernwelt - Logo

Die Erfurter Neuinszenierung von Verdis «La traviata» – kurzfristig für einen ursprünglich mit Johann Kresnik geplanten «Maskenball» ins Programm geschoben – war spektakulär wegen des Deutschland- und Rollendebüts der jungen lettischen Sopranistin Marina Rebeka, die mit erstaunlicher musikalischer wie szenischer Selbstsicherheit die Titelpartie übernahm. Rebeka besitzt alles, was Verdi in darstellerischer Hinsicht von der in die Sphären der Kunst gehobenen Edelkurtisane verlangte: «Sie hat eine gute Figur, Seele und nimmt sich auf der Bühne gut aus.

» Und sie verfügt über jene drei stimmlichen Voraussetzungen – lyrische Kantabilität, dramatische Kraft und eloquente Koloraturtechnik –, die die Rolle der Violetta so gefürchtet macht.
Rebekas zusammen mit der jungen Regisseurin Yona Kim entworfenes Porträt visualisiert Violettas Geschichte als «Weg ohne Ausweg», als «Opfergang» und «schmerzhafte Passionsgeschichte» (so Kim im Programmheft) und erinnert  daran, dass Verdi seine Oper ursprünglich «Amore e morte», «Liebe und Tod» nennen wollte. Schon im pantomimischen Vorspiel zum ersten Akt ist diese Violetta eine Entrückte, und so stirbt sie denn auch am Ende nicht, sondern entschwindet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Archaischer Kindertraum

Der Regisseur, sagte die Komponistin vor der Uraufführung, habe ihre «Unzufriedenheit» bemerkt. Sie müsse aber achtgeben, was sie über die Inszenierung sage, denn «ich will keinen Skandal». Er, das ist der 73-jährige Bühnen­künstler Achim Freyer, sie die 45-jährige, aus Korea stammende Komponistin Unsuk Chin, die Lewis Carrolls Kinderbuch für Erwachsene «Alice in...

Leidenschaft und Anämie

Nikolaus Harnoncourt meinte einmal, wenn man sich die leidenschaftlichen Plastiken ­eines Bernini ansehe, könne man sich nicht vorstellen, dass die Musik jener Zeit weniger leidenschaftlich gewesen sei. In der Tat ist die Meinung, dass das artifizielle Element des Barockgesangs zugleich stimmfarbliche Anämie bedeute, historisch kaum belegbar. Freilich schien mit...

Schwäbischer Wildwest

Eine merkwürdige, vielfach bestätigte Erfahrung: die Premiere einer Neuinszenierung, endend in einer Schlacht zwischen Buh und Bravo, von den Medien kontrovers kommentiert. Die zweite Vorstellung sodann ungestört, mit ein paar vereinzelten Buhrufen, die sich eher wie ein Accent aigu zur allgemeinen Zustimmung ausnehmen. So jetzt wieder bei der Neuproduktion von...