Verdi: Il trovatore

Kassel

Opernwelt - Logo

Dominik Neuners Bühnenbilder, die er selbst für seine Inszenierungen schafft, haben hohen Wiedererkennungswert. Wie bei der «Elektra» im April gab es auch beim «Troubadour» in Kassel eine gewaltige Schuttwüste, die sich aus abstrakten geometrischen Elementen aufschichtete, Rahmen, Ebenen, Höhlen, bestimmt vom «männlichen» rechten Winkel. Einziger Fremdkörper ein gro­ßer, runder, «weiblicher» Mond, Gefühlsfokus für die Figuren vom Grafen (Luna!) bis zu Leonora, der einzigen weiß Gewandeten unter den vier Hauptfiguren.
Es herrscht Krieg in Aragón, und es herrscht Nacht.

Alles spielt sich zwischen Weiß und Schwarz ab. Die Menschen sind gefangen in ihren Rollen. Die Männer führen die Waffen – «Krieg ist Mens­truationsneid», sagt Neuner –, die Frauen sind Getriebene ihres Inneren, Azucena von Rache, Leonora von Liebe. Doch beide sind gefangen in der männlichen Welt. So gelingt es Leonora nicht, zum Mond vorzustoßen. Nur in wenigen Glücksmomenten mit Manrico kann sie den rechteckigen Rahmen verlassen, der ihr Gefängnis und Behausung ist.
Neuner stellt Mauricio als reinen Tor da, in Konflikte gezwungen, die nicht seine sind. Die Hoffnung auf Lösung ist verbaut wie die chaotische Bühne. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Johannes Mundry

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gut und Böse

So ereignet sich Opernglück. Man steht unter einem gemalten Himmel in einem klassizistischen Salon und blickt an Kristalllüstern vorbei in echten Himmel. Zarte Wolken türmen sich effektvoll, lassen dramatisch Sonnenstrahlen durch, die sich putzende Blesshühner bescheinen, welche im englischen Gartental vor Drottningholms Schlosstheater dösen.
Eine Wendung um 180...

Rossini: Il viaggio a Reims

Wo die Handlung zum Gerüst schrumpft, hat die Regie freie Hand, eigene Geschichten zu erfinden. Und genau dies tut die junge französische Regisseurin Mariame Clément in der Berner Inszenierung von Rossinis «Viaggio a Reims» mit großer Fantasie. Vor allem ist jede Geste, jede der ständig wechselnden Personenkonstellationen bis in die Details virtuos gearbeitet, ohne...

Finaler Rettungsschuss

«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste...