Verdi: Il trovatore
Dominik Neuners Bühnenbilder, die er selbst für seine Inszenierungen schafft, haben hohen Wiedererkennungswert. Wie bei der «Elektra» im April gab es auch beim «Troubadour» in Kassel eine gewaltige Schuttwüste, die sich aus abstrakten geometrischen Elementen aufschichtete, Rahmen, Ebenen, Höhlen, bestimmt vom «männlichen» rechten Winkel. Einziger Fremdkörper ein großer, runder, «weiblicher» Mond, Gefühlsfokus für die Figuren vom Grafen (Luna!) bis zu Leonora, der einzigen weiß Gewandeten unter den vier Hauptfiguren.
Es herrscht Krieg in Aragón, und es herrscht Nacht.
Alles spielt sich zwischen Weiß und Schwarz ab. Die Menschen sind gefangen in ihren Rollen. Die Männer führen die Waffen – «Krieg ist Menstruationsneid», sagt Neuner –, die Frauen sind Getriebene ihres Inneren, Azucena von Rache, Leonora von Liebe. Doch beide sind gefangen in der männlichen Welt. So gelingt es Leonora nicht, zum Mond vorzustoßen. Nur in wenigen Glücksmomenten mit Manrico kann sie den rechteckigen Rahmen verlassen, der ihr Gefängnis und Behausung ist.
Neuner stellt Mauricio als reinen Tor da, in Konflikte gezwungen, die nicht seine sind. Die Hoffnung auf Lösung ist verbaut wie die chaotische Bühne. ...
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Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot...
Sullivan ohne Gilbert – geht das, gibt’s das? Ja, wie uns der Mitschnitt seiner letzten fertiggestellten komischen Oper «The Rose of Persia» zeigt, die 1899 am Londoner Savoy Theatre erfolgreich uraufgeführt wurde. Irgendwann hatte sich Arthur Sullivan (1842-1900) mit seinem langjährigen Librettisten und Geschäftspartner William Schwenck Gilbert, dessen Arbeiten er...
Onegin trägt seine Sinnsuche in den Zuschauerraum, auf einen um den Orchestergraben gelegten Laufsteg. Sechsundzwanzig sei er, singt er gegen die Säule einer Parterreloge gelehnt, und das Nichtstun kotze ihn an. Ein Besucher in jener Loge fühlt sich angesprochen und zieht sich zurück ins Dunkel. Unangenehm betroffen. Nicht Onegins Schicksals wegen, sondern weil er...
