Unterkühlte Sinnlichkeit
Die Regel scheint sich immer mehr zu bewahrheiten: Wenn Olivier Py im Genfer Grand Théâtre inszeniert, ist Provokation vorprogrammiert. Bereits die Kreuzigungsszene in «Damnation de Faust» hatte im Publikum heftigen Protest entfacht. Im Fall des neuen «Tannhäuser» bahnte sich gar, wollte man einigen Medien Glauben schenken, ein handfester Skandal an. Py hatte für die große Venusbergszene der Pariser Fassung einen Pornostar engagiert, der in Frankreich unter dem Kürzel HPG zu großer Berühmtheit gelangt sein soll.
Najaden, Satyrn und Bacchantinnen lässt Py mit viel nackter Haut in überaus künstlichen Choreografien Wagners wortreich beschriebene Lustspiele vorturnen, während Monsieur HPG als Zeus in Stiergestalt mit erigiertem Penis Europa entführt. Ein Skandal hat sich nicht ereignet, und am Ende war die scheinbar so provokative Episode längst vergessen, zu nachhaltig war die musikalische Interpretation, zu exzellent die Besetzung.
Vor allem aber blieb die Venusberg-Szene erstaunlich unterkühlt – was ohne Zweifel zum Konzept der Inszenierung gehört. Olivier Py und Pierre-André Weitz operierten erneut (wie 2004 im «Tristan») mit viel Dunkel, in dem nur aus Neonröhren etwas Licht ...
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