Verbrannte Gefühle
Der Kalauer scheint unvermeidlich: Der Mann ärgert sich schwarz. Aber er würde, auch wenn die Aussage im Kern sogar ihr Richtiges hat, auf eine falsche Fährte führen und Eva-Maria Höckmayrs Freiburger «Otello»-Inszenierung banalisieren. Die reicht tiefer. Richtig ist, dass Otello, dem Luis Chapa mächtige tenorale Statur von hoher Durchschlagskraft verleiht, die Partie als Weißer beginnt und bis zum Mord immer schwärzer wird.
Richtig ist aber auch, dass er sich nach dem Verbrechen, nachdem er die Wahrheit erfahren hat, die Schwärze verzweifelt aus dem Gesicht reibt: Schwarz als Metapher für unheilbare Eifersucht, als Ausdruck verbrannter Gefühle. Eva-Maria Höckmayr, Trägerin des Götz-Friedrich-Opernregiepreises 2010, macht aus Boitos und Verdis Shake-
speare-Adaption einen rabenschwarzen Psychokrimi, der tief in die Seelenwelt der Akteure vordringt. Jago (mit geradezu dämonisch baritonaler Wucht: Juan Orozco), der Nihilist, der Menschenverachter, reißt von den übergroßen Wänden des kreuzförmigen, labyrinth-
artigen Gebäudes auf Nina von Essens eindrucksvoll gestalteter Bühne die weißen Tücher (der Unschuld?) und entdeckt in mannigfachen Spiegelungen nichts außer sich selbst – «La ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alexander Dick
Eine Story wie aus einem Boulevard-Blatt: Ein Haus steht zum Verkauf. Nadja, deren Eltern kürzlich verstorben sind, führt die Interessenten in Begleitung des Maklers Axel Freund durchs Haus. Als Nachbarn enthüllen, dass hier Blut geflossen ist – Nadjas Mutter erstach ihren Mann, bevor sie sich selbst das Leben nahm, denn Nadja «stand wohl dem Vater zu nah» –...
Julia Lezhneva besitzt eine Stimme, die einen beim ersten Ton elektrisiert. Besonders wenn man das melancholisch-samtige Timbre slawischer Sängerinnen mag. «Sopran» steht auf dem Cover ihrer ersten Recital-CD. Dafür klingt die Stimme erstaunlich dunkel. Es ist eher ein leichter, beweglicher Mezzo mit Höhe: eine geborene Rossini-Sängerin, zumal die Koloraturen voll,...
Es dürfte hauptsächlich rezeptionsgeschichtliche Gründe haben, dass die 1849 entstandene «Luisa Miller» noch immer zum frühen Verdi geschlagen wird. Denn was die dramatische Stringenz und die Verknappung der musikalischen Mittel angeht, steht diese dritte Schiller-Veroperung Verdis schon fast auf dem Niveau des «Rigoletto» – hier wie dort herrscht...
