Verdi, romantisch

«Luisa Miller» in Lyon

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Es dürfte hauptsächlich rezeptionsgeschichtliche Gründe haben, dass die 1849 entstandene «Luisa Miller» noch immer zum frühen Verdi geschlagen wird. Denn was die dramatische Stringenz und die Verknappung der musikalischen Mittel angeht, steht diese dritte Schiller-Veroperung Verdis schon fast auf dem Niveau des «Rigoletto» – hier wie dort herrscht Erbarmungslosigkeit, die die Figuren mit jeder Nummer ein Stück weiter in den Abgrund treibt.

Und hier wie dort liegen die Gefühle und Interessen so nackt und bloß, dass man keine szenische Opulenz aufbieten muss, um sie zu unterstreichen. Eher tut dem Stück ein schau-, und kammerspielhafter Ansatz gut, der die formalen Zäsuren der Nummernoper als innere Entwicklung der Figuren beglaubigt und so den zukunftsweisenden Charakter der Musik betont.

Erstaunlich, dass ausgerechnet in Lyon rein gar nichts von dieser Qualität zu sehen ist – das Haus hat sich schließlich in der Vergangenheit immer wieder durch Regietheater profiliert. Und eigentlich ist der für die «Luisa» verpflichtete David Alden auch jemand, der Stücken auf den Grund gehen kann. Doch leider ist in dieser Produktion kaum etwas von der Qualität geblieben, die etwa die gefeierten ...

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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Interview, Seite 30
von Jörg Königsdorf

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