Aus der Stille
Vielleicht hängt der internationale Erfolg des 1955 in Hiroshima geborenen Toshio Hosokawa mit einer Sehnsucht zusammen – der Sehnsucht der westlichen Welt, die kommerzielle Kolonialisierung Japans nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig zu machen und die alte japanische Kultur wieder leuchten zu lassen: ihre puristische Strenge, ihren Antirealismus, den Kosmos spiritueller Symbole. Hosokawa scheint dafür der ideale Vermittler.
In seiner leisen, schüchternen Art übt er doch vehemente Kritik an seiner Heimat, kritisiert den hemmungslosen Konsum auf allen Ebenen, wirft dem Land technoide und architektonische Vergewaltigung der Natur vor, deren Auswirkungen der jüngste Tsunami und das Phänomen Fukushima drastisch beweisen.
Hosokawas Antwort darauf ist der buddhistische Blick nach innen und die Reinigung von allen «sündigen Anhaftungen», die er für die Unausgewogenheit menschlichen Handelns verantwortlich macht. Seine Musik sucht den Kontakt zu Vorgängen in der Natur, zur spirituellen Bewegung der Kalligrafie, zur aphoristischen Weltweisheit der alten Dichter, besonders zu den stark stilisierten Nô-Spielen des 15. Jahrhunderts. Schon in den Opern «Visions of Lear» (1998, nach Shakespeare) ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Michael Struck-Schloen
Zwei Puccini-Inszenierungen aus New York und Amsterdam, die jetzt auf DVD vorliegen, bringen den Komponisten, der oft genug ans Rampen- oder Konzeptionstheater verraten wird, als einen der zentralen Musikdramatiker des frühen 20. Jahrhunderts zur Kenntlichkeit. Zwei Regisseure, die genau lesen können, haben ihre Hausaufgaben gründlich gemacht. Ungewöhnlich ist die...
«Hoffentlich beten Sie mit mir, dass SONNTAG aus LICHT kein ‹Ruhetag› sondern ein Tanz in die Sonne wird. FURCHTLOS WEITER! Ihr Stockhausen.» Den Briefappell des Komponisten von 1995 verstand die Kölner Oper nach mehr als einem Jahrzehnt wohl als ferne Aufforderung, die letzte Etappe, den «Sonntag» aus dem gewaltigen «Licht»-Epos der sieben Wochentage, erstmals...
Monsieur Dorny, Sie sind 2003 nach Lyon gekommen. Haben Sie erreicht, was Sie sich damals für dieses Opernhaus vorgenommen hatten?
Ein gutes Stück davon habe ich schon geschafft, denke ich. Lyon war in den achtziger und neunziger Jahren mit Chefdirigenten wie John Eliot Gardiner und Kent Nagano ein Haus mit großer Ausstrahlung über die Grenzen Frankreichs hinaus. Es...
