Vehikel für Gesangsstars
Das öde Spektakel, das Bartlett Sher um das geplante Traumpaar Anna Netrebko und Rolando Villazón herumarrangiert hat und für das Gounods «Roméo et Juliette» der austauschbare Anlass war, gehört nicht zu den künstlerischen Ruhmestaten der letzten Salzburger Festspiele. Als sich Netrebko wegen ihrer Schwangerschaft abmeldete, war es schon zu spät für eine echte Alternative. In der blutjungen Georgierin Nino Machaidze glaubte man einen würdigen Ersatz für die neue Diva gefunden zu haben.
Sie wirkt tatsächlich wie ein Netrebko-Klon, liefert seelenlosen Schöngesang ab und verkennt mit ihrem affig-koketten Spiel die Rolle ganz und gar. Für die tragischen Szenen hat sie dann nicht mehr als einen Bardot’schen Schmollmund anzubieten. Villazón brüllt sich als Roméo die Seele aus dem Leib und scheint mit weit aufgerissenem Mund die Kamera buchstäblich auffressen zu wollen. Die vier großen Duette des klassischen Liebespaares lassen jede Poesie vermissen. Sehr erfreulich hingegen ist der noble Bassgesang des jungen Mikhail Petrenko als Frère Laurent, auch die in jeder Hinsicht imposante Susanne Resmark prägt sich mit der Charaktercharge der Gertrud nachhaltig ein. Yannick Nézet-Séguins ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
An drei Orten gleichzeitig wurde «Der Silbersee» am 18. Februar 1933 uraufgeführt: in Magdeburg, Erfurt und Leipzig, dort unter Tumulten – keine drei Wochen nach der Machtergreifung Hitlers und vier Wochen, bevor Weill Hals über Kopf vor der Gestapo nach Frankreich fliehen musste. Regie führte in Leipzig Detlef Sierck, der später als Douglas Sirk in Hollywood...
Es war der Auftrag seines Lebens. In Frankreich wollte Louis XIV. heiraten – aus politischen Gründen. Und er, Francesco Cavalli, Komponist und Impresario aus Venedig, sollte die Musik für das Hochzeitsfest schreiben. Die Strippen zog Kardinal Jules Mazarin, jener von Italien nach Paris ausgewanderte Diplomat und Gottesmann, der damals, Mitte des 17. Jahrhunderts,...
Alexander Borodins «Fürst Igor» ist ein Mythos der russischen Operngeschichte: ein nationales Epos, vom Meister unvollendet hinterlassen. Dieser Mythos vom titanischen Ringen beförderte das von Rimsky-Korsakow und Glasunow angeblich vollendete, in Wahrheit aber zum größeren Teil völlig neu komponierte Werk, ins Opernrepertoire – kein handelsüblicher Opernfüh-rer,...
