Vehikel für Gesangsstars
Das öde Spektakel, das Bartlett Sher um das geplante Traumpaar Anna Netrebko und Rolando Villazón herumarrangiert hat und für das Gounods «Roméo et Juliette» der austauschbare Anlass war, gehört nicht zu den künstlerischen Ruhmestaten der letzten Salzburger Festspiele. Als sich Netrebko wegen ihrer Schwangerschaft abmeldete, war es schon zu spät für eine echte Alternative. In der blutjungen Georgierin Nino Machaidze glaubte man einen würdigen Ersatz für die neue Diva gefunden zu haben.
Sie wirkt tatsächlich wie ein Netrebko-Klon, liefert seelenlosen Schöngesang ab und verkennt mit ihrem affig-koketten Spiel die Rolle ganz und gar. Für die tragischen Szenen hat sie dann nicht mehr als einen Bardot’schen Schmollmund anzubieten. Villazón brüllt sich als Roméo die Seele aus dem Leib und scheint mit weit aufgerissenem Mund die Kamera buchstäblich auffressen zu wollen. Die vier großen Duette des klassischen Liebespaares lassen jede Poesie vermissen. Sehr erfreulich hingegen ist der noble Bassgesang des jungen Mikhail Petrenko als Frère Laurent, auch die in jeder Hinsicht imposante Susanne Resmark prägt sich mit der Charaktercharge der Gertrud nachhaltig ein. Yannick Nézet-Séguins ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten. Die zur...
Zwischen Komponisten und Interpreten hat es vielfältige Symbiosen gegeben. Man denke an die tenorale Attraktivität Richard Taubers für Franz Lehár. Erst recht wären einige Werke Benjamin Brittens nicht ohne die Partnerschaft mit dem Tenor Peter Pears entstanden. Und Dietrich Fischer-Dieskau ist als Bariton-Charakter durch Henzes «Elegie für junge Liebende» und...
Es ist nicht überliefert, ob Giuseppe Verdi Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» gekannt hat, die zur Zeit der Arbeit am «Falstaff» erstmalig auf italienischen Spielplänen erschien. Dennoch sind die Wege der beiden Komponisten auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Beide begannen ihre Laufbahn als Opernkomponisten im gleichen Jahr 1839 in...
