Herbstfarben
Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten.
Die zur Gloriole verklärte Maske der Perfektion entpuppt sich manchmal als Fluch – zum Beispiel dann, wenn das vokale Profil einer Künstlerin hinter dem fabrizierten PR-Image zu verschwinden droht, das ihr die Aufmerksamkeit der TV-Öffentlichkeit sichern soll. Der Blick ist dann so festgelegt wie das Ohr, man sieht und hört nur noch, was ins geschminkte Bild passt.
Zu den Diven, die dieses profitable Spiel mitspielen, gehört zweifellos Renée Fleming. Doch an der amerikanischen Sopranistin kann man auch exemplarisch ablesen, wie stark die Wahrnehmung sängerischer Leistungen auf der Bühne mitunter durch Vor-Urteile beeinflusst ist. Darauf deutet nicht zuletzt manche kritische Reaktion auf ihren jüngsten Live-Auftritt als Marschallin im Baden-Badener Festspielhaus. Den Ruf der beautiful voice, die sich an der Droge eines Schönklangs ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
An drei Orten gleichzeitig wurde «Der Silbersee» am 18. Februar 1933 uraufgeführt: in Magdeburg, Erfurt und Leipzig, dort unter Tumulten – keine drei Wochen nach der Machtergreifung Hitlers und vier Wochen, bevor Weill Hals über Kopf vor der Gestapo nach Frankreich fliehen musste. Regie führte in Leipzig Detlef Sierck, der später als Douglas Sirk in Hollywood...
Das öde Spektakel, das Bartlett Sher um das geplante Traumpaar Anna Netrebko und Rolando Villazón herumarrangiert hat und für das Gounods «Roméo et Juliette» der austauschbare Anlass war, gehört nicht zu den künstlerischen Ruhmestaten der letzten Salzburger Festspiele. Als sich Netrebko wegen ihrer Schwangerschaft abmeldete, war es schon zu spät für eine echte...
Regisseurin Beverly Blankenship hatte geradezu kindlichen Spaß an der mit Wasser gefluteten Bühne von Marianne Hollenstein. Sie ließ nach Herzenslust planschen in der Münchner Erstaufführung von Nikolai Rimsky-Korsakows «Märchen vom Zaren Saltan», der seine Frau und den vermeintlich missgestalteten Sohn in einem Fass auf dem Meer aussetzt. Ob ein singender Schwan...
