Herbstfarben
Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten.
Die zur Gloriole verklärte Maske der Perfektion entpuppt sich manchmal als Fluch – zum Beispiel dann, wenn das vokale Profil einer Künstlerin hinter dem fabrizierten PR-Image zu verschwinden droht, das ihr die Aufmerksamkeit der TV-Öffentlichkeit sichern soll. Der Blick ist dann so festgelegt wie das Ohr, man sieht und hört nur noch, was ins geschminkte Bild passt.
Zu den Diven, die dieses profitable Spiel mitspielen, gehört zweifellos Renée Fleming. Doch an der amerikanischen Sopranistin kann man auch exemplarisch ablesen, wie stark die Wahrnehmung sängerischer Leistungen auf der Bühne mitunter durch Vor-Urteile beeinflusst ist. Darauf deutet nicht zuletzt manche kritische Reaktion auf ihren jüngsten Live-Auftritt als Marschallin im Baden-Badener Festspielhaus. Den Ruf der beautiful voice, die sich an der Droge eines Schönklangs ...
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