Unwiderstehlich
Alexander Zemlinskys «Florentinische Tragödie» ist ein Werk von klaustrophobischer Dramatik: ein einziger Raum, darin drei Personen, die eine klassische Dreiecksgeschichte verhandeln. Zu einem Paar, das die gegenseitige Aufmerksamkeit für einander verlernt hat (oder sie noch nie besaß), gesellt sich ein junger Adeliger, der mit der Dame des Hauses nicht allzu heimlich eine Liebesbeziehung eingeht.
Es kommt zwar zu keiner Szene in flagranti, aber der Gehörnte kann doch zwei und zwei zusammenzählen, als er von einer Geschäftsreise zurückkehrt und seine Frau und den Nebenbuhler in vertrautem Miteinander auffindet. Wie sich nach der Vorlage von Oscar Wilde nun ein Spiel von Verstellung und Andeutung entwickelt, von Misstrauen und gezwungener Höflichkeit, das ist aufregende Psychologie.
Dem Komponisten eröffnet sich dabei ein riesiger Gestaltungsraum: Die Musik darf erzählen, was unausgesprochen bleibt. Und da gibt es viel bei all den Gegensätzen, die hier aufeinanderstoßen. Aristokratie etwa trifft auf Bürgertum: Ein gewaltiges Aggressionspotenzial ergibt sich aus der Konkurrenz des «Krämers» Simone, der teure Stoffe verkauft, mit dem jungen Prinzen Guido, den Zemlinsky durchaus als ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 35
von Clemens Haustein
Frau Teige, wie ist es, Teil der Bayreuther Kult-Crew im «Tannhäuser» zu sein?
Ich glaube, das ist wohl nicht nur die gegenwärtig populärste, sondern zugleich die beste Produktion, die derzeit in Bayreuth läuft. Und sie wird Jahr für Jahr weiterentwickelt. Als ich 2023 erstmals dabei war und die Proben starteten, hatte ich großen Respekt davor. Das übte Druck aus....
Der korpulente, sein kindlich-treuherziges Antlitz hinter einem Rauschebart verbergende Leif Segerstam unterschied sich schon rein äußerlich von allen anderen Meistern des Taktstocks; die Ähnlichkeit mit Brahms wurde von den Plattenlabels höchst dankbar ausgeschlachtet, US-Amerikaner sahen Santa Claus in ihm, und wer sich in Finnland ein wenig auskannte, den...
Die Frage ist nicht neu, aber von zeitloser Dringlichkeit: «Wer sind wir, was ist unser Zweck, und was bleibt von uns nach unserem Tod?» Huw Montague Rendall zögert nicht lange und liefert im Booklet seines Albums mit dem schönen Titel «Contemplation» gleich die demütige Antwort mit: «Wir sind nichts als Sternenstaub. Wesen kosmischen Ursprungs, schwebend in der...
