Von gestern auf morgen
Vor der Koksofenbatterie auf Zeche Zollverein in Essen steht ein Schwimmbecken. Einheimische genießen, unter rostigen Streben plantschend, die heiße Augustsonne. Wenige Meter weiter ein völlig anderes nasses Sujet: In der Mischanlage stecken fast nackte Menschen knöcheltief in aufgetautem Eis. Ein Chor singt Björk. «Longing for tomorrow» ist das Motto der Ruhrtriennale 2024. Sie überzeugt weniger durch Zukunftsvisionen als durch eine gut orchestrierte Symphonie von Zufällen, die die Spielorte mit sich bringen.
Nur die musikalische Ebene ist trotz aller popkultureller Vorstöße kein «Tomorrow», sondern eher ein «Yesterday».
Kulinarische Oper gibt es im ersten Jahr der Intendanz von Ivo van Hove keine. Bekömmlich ist es an vielen Stellen trotzdem. Neben den Übernahmeproduktionen «Pferd frisst Hut» von Herbert Fritsch und Herbert Grönemeyer sowie Philip Venables’ «The Faggots and Their Friends Between Revolutions» sind drei interdisziplinäre Produktionen entstanden: Der Festivalchef selbst inszeniert mit «I Want Absolute Beauty» ein zweistündiges Live-Musik-Video zur Musik von PJ Harvey und mit Sandra Hüller in der Hauptrolle; Eline Arbos «Haugtussa» entführt mit Liedern von Grieg ins ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Anna Chernomirdik
Historiker sprechen, wenn sie die politische Geschichte Spaniens etwa zwischen 1550 und 1650 in Augenschein nehmen, meist vom Siglo de Oro, vom Goldenen Zeitalter. Und nicht nur ist damit der Machteinfluss des einst ruhmreichen (und ausdehnungsfreudigen) Landes bezeichnet, sondern vor allem eine Zeit kultureller Blüte. Wenn Saioa Hernández ihr neues Album mit Arien...
Da ist er wieder, der König mit den zwei Körpern. Nicht dauerhaft, aber immer dann, wenn es eng wird, wenn es darum geht, den Gang der Dinge zu beeinflussen, geistert ein maskierter Mann um Idomeneo herum, erst stumm, mit wild-dämonischem Gebaren, später auch als Kommentator. Ein bisschen Mephisto, ein bisschen Derwisch, ein bisschen tanzaffiner Narr, jedenfalls...
Der Genregrenzen überwindende Schweizer Komponist Michael Wertmüller hat nicht nur seine Adorno-Hausaufgaben erledigt, sondern das aus dessen Musikmanifest «Philosophie der Neuen Musik» von 1948 Gelernte musiktheatralisch eindrücklich aktualisierend wie notwendigerweise postmodern gebrochen umgesetzt: So lautet das positive Fazit nach der Uraufführung von...
