Süße Träume
Der Abbé lächelt nicht. Streng, distanzierterhaben ist sein Blick, es ist der Blick eines Mannes, der um die Wirrnisse des Lebens weiß. Doch auch die anderen Herren im Konferenzzimmer scheinen vor allem eines im Sinn zu haben: die Würde des Amtes zu bekunden, das sie alle einmal innehatten – das Rektorat der Liszt-Ferenc-Akademie zu Budapest, deren Namensgeber, Ehre, wem Ehre gebührt, in der Mitte hängt – natürlich nicht er selbst, sondern sein Konterfei. Und es ist wohl kaum vermessen, wenn man annimmt, dass ihn die einzige Dame im erlauchten Kreis erfreut hätte.
Franz Liszt liebte die Frauen, bevor er den Weg zu Gott fand. Andrea Vigh war bislang die einzige Frau, die – für zwei Legislaturperioden à fünf Jahren – an der Spitze dieser ruhm- und geschichtsreichen Institution stand. Und man darf annehmen, dass sie es nicht ganz leicht hatte, umgeben von lauter Patriarchen. Éva Marton hatte dergleichen Sorgen nie. Sie war das, was man einen Weltstar nennt. Eine Diva. Kein bedeutendes Haus, an dem sie mit ihrem hochdramatischen Sopran nicht die Wände zum Wackeln brachte. In ihrer Heimat Ungarn ist sie noch heute eine Ikone, und selbstverständlich trägt der 2014 ins Leben gerufene ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten
Größer könnte der Kontrast kaum sein: Auf der einen Seite Bernd Alois Zimmermanns «Requiem für einen jungen Dichter» mit seinem gigantischen Aufgebot von drei Chören, großem Orchester, Jazzband, Sängern und Tonbandeinspielungen; auf der anderen Morton Feldmans radikal reduzierte Komposition «Rothko Chapel», eine musikalische Meditation über die Gemälde von Mark...
Historiker sprechen, wenn sie die politische Geschichte Spaniens etwa zwischen 1550 und 1650 in Augenschein nehmen, meist vom Siglo de Oro, vom Goldenen Zeitalter. Und nicht nur ist damit der Machteinfluss des einst ruhmreichen (und ausdehnungsfreudigen) Landes bezeichnet, sondern vor allem eine Zeit kultureller Blüte. Wenn Saioa Hernández ihr neues Album mit Arien...
Die Liebe, heißt es ebenso apodiktisch wie unwiderlegbar in John de La Bruyères Traktat «Les caractères de Théophraste», beginnt stets mit der Liebe, mit ihrer (zeitlosen) Immanenz. Auch Théophile Gautier dachte wohl an diese schönste, zugleich schmerzlichste aller zwischenmenschlichen Empfindungen, an ihre vielfältigen, einander widersprechenden...
