Foto: Donata Wenders
Unvertraut
Eine indische Frau kann auch ohne roten Bindi auf der Stirn schön sein, wenn sie Olga Peretyatko heißt (die freilich neuerdings auch den Namen ihres italienischen Dirigentengatten Michele Mariotti führt) und über einen eleganten, kraftvollen Sopran verfügt. Dass die dramatisch überzeichneten Koloraturen nicht recht passen wollen zu einer Priesterin, fällt dabei genauso wenig ins Gewicht wie die Eigenart Gyula Orendts als Zurga, noch die belanglosesten Sätze mit Emphase vorzutragen. Nein, auf solche Details kommt es hier nicht an.
Denn was diese «Perlenfischer» offerieren, ist ein Fest der Stimmen und Stimmungen, eine Oper des Genießens, nicht des Gedankens.
Sollte Bizets Jugendwerk einer Rehabilitation in Deutschland bedürfen, sie wäre jetzt geleistet. Sämtliche eventuell noch umlaufenden Vorurteile sind endgültig widerlegt. Weder ist das Libretto der reinste Schwachsinn, noch bleiben die «Perlenfischer» musikalisch hinter «Carmen» zurück. Und es trifft auch nicht zu, dass dieses erstmals 1863 gezeigte sechste Bühnenwerk des jungen Franzosen mit «Je crois entendre encore» und «Au fond du temple saint» lediglich zwei herausragende Nummern besitzt. Die «Pêcheurs» enthalten viele ...
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Vor elf Jahren war’s, bei «Mozart 22», der Gesamtschau zu dessen 250. Geburtstag in Salzburg. Festspielintendant Peter Ruzicka hatte die Idee, das Singspielfragment «Zaide» mit einem heutigen Pendant zu verbinden, die israelische Komponistin Chaya Czernowin lieferte «Adama» hinzu. Der Titel ist eine hebräisch-arabische Worterfindung aus den Begriffen für Erde, Blut...
Schon während der Aufführung fragt man sich, warum eigentlich dieses 1890 in Turin uraufgeführte Werk nicht in den Spielplänen auftaucht. Liegt es daran, dass der 1893 im Alter von nur 39 Jahren verstorbene Alfredo Catalani zwischen den beiden Schwergewichten Verdi und Puccini erdrückt wurde? Oder an der Vermessenheit, einen so eminent deutschen Stoff wie die...
Was kann, soll, muss Theater in schwierigen Zeiten leisten? Kann es im Spiel tatsächlich das kritische Bewusstsein erweitern, oder verspielt es eher seine Möglichkeiten, wie Peter Handke einmal meinte? Es war im legendären Jahr 1968, als der (damalige) Wahl-Grazer in «Theater heute» eben dieses spielerische Moment infrage stellte: Theater sei dermaßen bestimmt,...
