Kopenhagen, Wagner: Siegfried

Mit der dritten Lieferung ist Kopenhagens «Ring»-Zyklus endlich im neuen Opernhaus angekommen – und dieser Szenenwechsel hat Regisseur Kasper Bech Holten und seinem Team neue Möglichkeiten eröffnet.
Nach einem «Rheingold», das in den zukunftsseligen, ausschweifenden Zwanzigern, und einer «Walküre», die in den Fünfzigern angesiedelt ist, hat man sich mit «Siegfried» nun zu den Sechzigern vorgearbeitet – ein plausibles historisches Zeitfenster, um die Geschichte vom jugendlichen Helden, der sich mit dem Alten anlegt, zu erzählen.

Zunächst sieht man das beengte, reinliche Domizil Mimes (spitzfindig-penibel: Bengt-Ola Morgny), in einer Ecke die heute allgegenwärtige Einbauküche. Bald darauf wird die Bühne hochgefahren, der Blick fällt nun auf die im Keller verborgene Schmiede. Dann, Stig Fogh Andersens Siegfried ist gerade auf die Szene gestürmt, wird ein anderes Kulissenteil weggezogen – und zum Vorschein kommt sein Zimmer, weit oben, eine Sitar an der Wand. Ein ähnliches Arrangement begegnet uns auch im zweiten Akt: Als Siegfried in Fafners Höhle eindringt, findet er sich in einem unterirdischen Kontrollraum, von Nibelungen oder einem Schatz keine Spur.
Holtens «Siegfried» bietet eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 52
von Erica Jeal,Übersetzung: Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Flensburg, d'Albert: Tiefland

Noch vor fünfzig Jahren gehörte d’Alberts «Tiefland» – genau wie Flotows «Martha» und Lortzings «Undine» – zum unverzichtbaren Standardrepertoire des deutschen Stadttheaters. Nachdem diese Werke, nicht zuletzt auf Grund einer wohl durch die Achtundsechziger ausgelösten Intellektualisierung des Musiktheaters, fast vollständig von unseren Spielplänen verschwunden...

In der Zeitfalle

Die erste Oper des Komponisten Lorin Maazel ist eine Liebesgeschichte, bei der es besonders auf die Verhältnisse ankommt. Julia liebt Winston und Winston liebt Julia. Doch nicht die Familien, wie es sonst in solch klassischer Konstellation der Fall ist, sind gegen diese Liebe, sondern der alles überwachende Staat ist es. Deshalb wird das heimliche Liebesnest in der...

Frankfurt, Verdi: Macbeth

Paolo Carignani dirigiert in Frankfurt die für Paris 1865 erweiterte Fassung von Verdis «Macbeth». Dabei reibt sich die melodische Suggestion, auf die er setzt, mitunter an einer szenischen Interpretation, für die die schroffere Urfassung angemessener wäre. Aus der so entstehenden gelegentlichen Diskrepanz zwischen Graben und der drastisch aufgerauten Optik auf der...