Unverkrampfte Genauigkeit
Als ich Kind war, hatte ich ein Buch mit griechischen Sagen, das mir äußerst wichtig war. Ich verbrachte Stunden damit, in meinem Kopf Opern zu den Geschichten zu improvisieren. In der Schule war meine erste Erfahrung mit meiner eigenen Musik, als ich die Partituren dirigierte, die ich zu Schauspielen geschrieben hatte, einige zu Shakespeare, andere zu originalen Texten meiner Klassenkameraden. Das Theater liegt mir also im Blut, und in gewisser Weise kehre ich mit der Opernkomposition zu meinen Wurzeln zurück.
Ich muss hinzufügen, dass die enge Zusammenarbeit mit einem Schriftsteller vom Kaliber und der Originalität Martin Crimps extrem herausfordernd und inspirierend für mich gewesen ist.» Musiktheater – eine sozusagen natürliche Ausdrucksform, insbesondere für einen angehenden Komponisten. Was George Benjamin hier in einem Gespräch mit Marie Luise Maintz (anlässlich der Uraufführung von «Written on Skin» im Juli 2012 in Aix-en-Provence) mitteilt, wirft ein neues Licht auch auf sein bisheriges Œuvre, das sich – je zur Hälfte von vokalen und instrumentalen Konzertwerken bestimmt – nur selten ausdrücklich auf die Bühne berief. Immerhin war Benjamin mit der gut halbstündigen ...
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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 106
von Hans-Klaus Jungheinrich
Wagner hielt nichts von Verdi, kannte seine Werke kaum. Verdi dagegen hat sich intensiv mit dem deutschen Kollegen beschäftigt. Zwar ärgerte ihn der Vorwurf, er «gebärde sich wie Wagner», was Bizet nach einer Aufführung von «Don Carlos» behauptete. Aber in seinen beiden letzten Opern kann man die bewusste Auseinandersetzung hören. Otello und Desdemona sind in...
Braunhemden, Hakenkreuzbinden, Tod im Gas: Wenn das Grauen der NS-Vergangenheit auf der Opernbühne verhandelt wird, geht die Sache meist schief. Burkhard C. Kosminskis SS-«Tannhäuser» in Düsseldorf und der zwanghafte Hitlergruß von Bayreuths nächstem «Parsifal»-Regisseur Jonathan Meese sind aktuelle Beispiele dafür, wie die Ausstellung des Bösen (bzw. das Spiel...
30 Jahre hat Giacomo Meyerbeer um seine letzte Oper gerungen. Genau zur Halbzeit schrieb er seinem Librettisten Eugène Scribe ein fast völlig neues Stück vor. Da das Publikum aber schon Jahre auf die angekündigte «Afrikanerin» gewartet hatte, wagte man nicht zu gestehen, dass aus ihr inzwischen eine Inderin geworden war. Chemnitz hat die historisch-kritische...
