Unterkühlte Ekstase
Am Ende zieht Roger seine Lackschuhe aus und begrüßt an der Rampe emphatisch die aufgehende Sonne. Aber er bleibt nicht, wie im Libretto vorgesehen, mit seinem arabischen Ratgeber Edrisi allein. Zwar ist die den Verlockungen des göttlichen Hirten erliegende Menge abgezogen, doch seine Frau Roxana, der Erzbischof, die Diakonissin und ein kleiner Junge bleiben zurück und schreiten, abgewandt, langsam auf die hintere Wand zu.
Johannes Erath, der Karol Szymanowskis magisch gleißendes Stück jetzt in Frankfurt inszeniert hat, lässt bewusst offen, wie wir diesen Schluss verstehen sollen – als nietzscheanisches Bekenntnis zu sich selbst oder als trügerischen Aufbruch, der in der Agonie gipfelt.
Mit dem namengebenden sizilischen König hat Roger nichts zu tun. Er dient Szymanowski nur als Folie für ein intellektuelles Gedankendrama, das den uralten Konflikt zwischen Geist und Materie, Vernunft und Trieb, Ordnung und Lustprinzip in aller Radikalität symbolisch freilegt. Ein geheimnisvoller Hirte, Verkünder eines gefährlichen, die Liebe und die Schönheit feiernden unbekannten Gottes, stürzt den Staat in Unruhe und gewinnt Anhänger. Roger will ihm den Prozess machen, scheitert und wird selbst ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Uwe Schweikert
Die Sache mit der Banane, das spürte er, war keine gute Idee. Das Zweit-Rendezvous fällt daher anders aus, im schimmernden Rokoko-Gewand, das Affen eher selten tragen. Und nun mit einer silbernen Rose in der Hand, an der die Angebetete schnuppert: «Hat einen starken Geruch …»? Zu diesem Satz kommt es nicht, wir befinden uns schließlich bei Hans Werner Henze. Aber...
Krisenzeiten haben ihre eigene Dynamik. Wenn der Blick in die Zukunft sich trübt, die Gegenwart undurchschaubar wirkt, nur die Verklärung einer «heilen» Vergangenheit Halt zu bieten scheint, drohen konkrete Sorgen und diffuse Ängste das Prinzip Hoffnung und die Lust auf Morgenrot im grauen Nebel eines alle kreativen Ideen lähmenden Notstandsbewusstseins zu...
Gelegentlich öffnet sich der Himmel des Liedgesangs. Für den Schreiber dieser Zeilen war’s etwa im Frühjahr 1964, als er in Graz Fritz Wunderlich mit Schumanns «Dichterliebe» live hörte. Die Einspielung dieses Zyklus durch den Tenor und Hubert Giesen darf als Referenz gelten; freilich folgt sie der auch heute noch weithin benutzten, 16 Lieder umfassenden...
