Schmerzlich leicht
Gelegentlich öffnet sich der Himmel des Liedgesangs. Für den Schreiber dieser Zeilen war’s etwa im Frühjahr 1964, als er in Graz Fritz Wunderlich mit Schumanns «Dichterliebe» live hörte. Die Einspielung dieses Zyklus durch den Tenor und Hubert Giesen darf als Referenz gelten; freilich folgt sie der auch heute noch weithin benutzten, 16 Lieder umfassenden Druckfassung von 1844 – in den 1960er-Jahren wohnten «historisch informierte» Musiker denn auch noch in ausgewählten Enklaven.
Für die «Dichterliebe» änderte sich das spätestens im Jahr 2011, als bei Bärenreiter die von Hansjörg Ewert edierte Urtext-Ausgabe erschien. Sie beruht auf einem sogenannten Arbeitsmanuskript des Komponisten, das gegenüber der Druckausgabe deutliche Unterschiede aufweist; spätere Korrekturen erfolgten wohl auch aufgrund von Schumanns Zweifeln an sich selbst. Das Manuskript enthält insgesamt 20 Lieder – vier davon wurden für die Druckausgabe eliminiert, vielleicht im Sinne einer stringenteren Dramaturgie und der größeren Schlüssigkeit der Tonartenfolge.
Julian Prégardiens Auslegung schöpft aus dem Geist des Werdens, wobei der Tenor und sein Klavierpartner Éric Le Sage sich auch an Ewerts Urtext-Edition ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché
Mit Wagner hat die Musik von Philippe Manoury eigentlich nicht viel zu tun. Jedenfalls beim ersten Höreindruck. Die strudelnden Ströme, die vulkanisch bebenden Flächen, das gleißende Licht und all die krachenden Gewitter, die Manourys Klangfantasie immer wieder freisetzen, bilden schon eine Welt für sich. Eine Welt, die dauernd in Turbulenzen zu geraten, ständig...
Überirdisch gleißend strahlt Echnaton. Weißes Tuch fällt an seinen Armen herunter, der Brustpanzer funkelt golden. Das Volk zu seinen Füßen lässt sich blenden, neigt die Köpfe, bejubelt den neuen Pharao – und vergisst dabei völlig, dass es selbst im Dunkeln steht.
Nach «Einstein on the Beach» (2017) steht mit «Echnaton» bereits zum zweiten Mal ein Stück von...
Bald sind es vier Jahrzehnte. So lange wird Carola Fischer dann als Solistin auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus gestanden haben. Aber was heißt hier: gestanden? Fast alle für ihren Mezzosopran geeigneten Rollen hat die gebürtige Berlinerin an dem Haus gesungen, von den leichten bis zu den schweren Fächern, von Mozarts quirligem Cherubino bis zu Wagners...
