UNTER WERT VERKAUFT
Wer hätte das gedacht? Eine «Medea» mit glücklichem Ausgang! Georg Caspar Schürmann, Sänger, Librettist, Komponist und seit 1707 Hofkapellmeister in Braunschweig, macht es möglich mit seiner 1720/22 erfolgreich am Hamburger Gänsemarkttheater aufgeführten Oper «Jason oder die Eroberung des Goldenen Vlieses». Nicht Medeas tragisches Ende mit dem Kindermord wird hier behandelt, sondern – wie zuvor schon in Francesco Cavallis «Giasone» – die Liebe der dämonischen Zauberin aus Kolchis zum Griechenhelden Jason, dem sie hilft, das Heiligtum des Goldenen Vlieses zu entführen.
Am Ende steht eine Doppelhochzeit, bei der nur Medeas verflossener Verehrer Stiro leer ausgeht. Bis es allerdings soweit ist, erlebt der Hörer ein Wechselbad der Gefühle – Irrungen, Wirrungen, Zauberspuk und Geisterbeschwörungen –, bei denen die Götter mitmischen und das auch vor Komik nicht zurückschreckt. Mit einem Wort: Es geht so bunt zu, wie es die Hamburger Zuschauer erwarten durften. Wie am Gänsemarkt üblich, präsentiert die überlieferte Partitur ein Pasticcio – einen deutsch-italienisch textierten Mischmasch, der Schürmanns eigene Musik überdies um zahlreiche italienische Einlagearien zeitgenössischer ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: CDs, DVDs, Bücher, Seite 40
von Uwe Schweikert
Hier hat die Abrissbirne gewaltig zugeschlagen! Opernregie-Debütant Edoardo De Angelis – er kommt vom Film – bemüht sich erst gar nicht, zu Beginn von Puccinis «Tosca» einen schönen Nachbau der Kirche Sant’Andrea della Valle zu zeigen (beziehungsweise von Mimmo Paladino errichten zu lassen). Auf der großen Bühne des Teatro San Carlo in Neapel sehen wir ein...
Einen so prosaischen, beachtlich unmusikalischen Einstieg in Giuseppe Verdis Ägyptenoper «Aida» wie jetzt am Theater Chemnitz hat man noch nicht erlebt: Verdis Vorspiel schweigt, wenn der Vorhang sich öffnet und den Blick aufs pralle Bühnenleben freigibt. Sind wir im zweiten Bild von Puccinis «Bohème», im Menschentrubel des Pariser Quartier Latin? Bunt gewandete,...
Wie das Idyll klingt, wenn es besungen wird? Vielleicht so: zart und irisierend in seinen stimmlichen Nuancen, anmutig und sanft in den aufgelockerten, sanft dahinfließenden Begleitfigurationen des Klaviers; als Ganzes versehen mit einem Aroma, das nach Frühling duftet, nach wolkenlosem Himmel, roten Rosen und durch Sonnenstrahlen hindurch flatternden...
