Unter Wert
Er war ein Freund von Marcel Proust, Dandy, hochgeschätzter Sänger in den Pariser Salons, Dirigent, Musikkritiker; seine leider nie ins Deutsche übersetzte Studie «Du Chant» ist eines der glänzendsten Bücher, die je über Gesang geschrieben wurden. Als Komponist ist Reynaldo Hahn vor allem mit seinen melancholisch-eleganten, die leichte mit der ernsten Muse verschwisternden Lieder bekannt geblieben.
Er hat zahlreiche Bühnenwerke geschrieben, von denen die Operette «Ciboulette» als bedeutendstes, der musikalische Pastiche «Mozart» (mit dem Idol in einer Hosenrolle!) als kuriosestes und die 1935 uraufgeführte Oper «Le marchand de Venise» auf Shakespeare als das ambitionierteste gelten kann. Miguel Zamacoïs’ Libretto hält sich eng an die Vorlage, lediglich die komische Figur des Lancelot Gobbo entfällt. Hahns auf tradierte klassische Formmodelle zurückgreifende Vertonung verbindet operettenhaft-sentimentale Komik und Elemente der Mozart’schen Buffa, wobei geschlossene Nummern mit deklamatorischen Partien abwechseln.
Ihre besondere Farbe erhält die Partitur aber durch die tragischen Untertöne – Shylocks Hasstirade gegen die Christen und dessen bitter-verzweifelten Monolog, nachdem ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Uwe Schweikert
Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses...
Ein zweites Mal ausgebootet. Zunächst von Ulisse, dann von dessen Sohn Telemaco – nicht verwunderlich, dass die Oper mit einer Rache-Arie der göttlichen Calipso endet. Wobei: Es ist eher ein Wüten von der Stange, weniger aus originellem Musikerfindergeist geboren, mit dem Johann «Giovanni» Simon Mayr die Zuhörer entlässt. Zum Zeitpunkt seines «Telemaco», am 11....
Rolando Villazón ist ein Garant für Gesprächsstoff. Den hat er weit vor seinem Regie-Beginn den Düsseldorfern auch geliefert. Mit einem stadtweiten Aufruf, Kleider (gerne auch Lackstiefel für beide Geschlechter) und Accessoires aus den 1970ern abzugeben!
Alles beginnt in einem verstaubten Atelier, eher 19. als 20. Jahrhundert. Alte Schinken auf Staffeleien: Mona...
