Unter Glas
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
Zunächst scheint die Begleitung eine überraschende Stilwidrigkeit: ein Steinway-Flügel in üblicher Stimmung für 17 Lieder und Arien von Purcell, Händel und Fux.
Mit dem vorzüglichen Pianisten Michal Biel hatte der polnische Countertenor beim Album «Farewells» mit selten aufgeführten Kunstliedern seiner Heimat aus dem 19. und 20. Jahrhundert erfolgreich zusammengearbeitet, Biels delikate, farbenfreudige Klang -gestaltung hatte aufhorchen lassen – so auch hier. Da ist es angemessen, dass die Zugabe allein Biel zufällt: Die Kitschgefahr von Myra Hess ʼduftiger Bearbeitung von «Jesus bleibet meine Freude» aus Bachs Kantate BWV 147 bannt er mit Transparenz und flüssigem Tempo. Genau dieses Werk erscheint wie ein Schlüssel zu Orlińskis Ansatz. Hier geht es um musikalische Wahrheit, nicht historische Korrektheit. Um ein kommunikatives Angebot – natürlich fehlen die ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 42
von Götz Thieme
Herr Bruns, muss denn der Siegfried unbedingt sein?
Natürlich! Meine Mutter heißt doch Brunhilde. Aber im Ernst: Die Frage könnte man sich für den gesamten «Ring» stellen. Wenn man Wagner mag, dann ist die Antwort eindeutig: Ja, es muss sein. Ob der Siegfried bei mir persönlich sein muss, mit dieser Frage bin ich lange schwanger gegangen. Mittlerweile habe ich aber...
Der Prolog zeigt einen brutalen Doppelmord. Durch das Fenster eines Appartements sieht man, wie eine junge Frau und ihr Begleiter von einem Maskierten niedergestochen werden. Drinnen sitzt ein Mann vor dem Fernseher und schaut einen Thriller. Plötzlich schaltet er aus, als könne er das Gezeigte nicht ertragen. Schnell wird klar: Der Mann und der Täter sind eine...
Gott! Welch Dunkel hier! Was schon Beethovens bekleckerten Helden Florestan zutiefst bekümmerte (allerdings aus anderen Gründen und unter weit widrigeren Umständen), muss auch der Gast sich denken, der Anna Dreschers «Rigoletto»-Inszenierung in Tatjana Ivschinas Ausstattung im Badischen Staatstheater ansichtig wird. Viel Hoffnung gewährt das Regieteam uns nicht,...
