Helden wie er
Herr Bruns, muss denn der Siegfried unbedingt sein?
Natürlich! Meine Mutter heißt doch Brunhilde. Aber im Ernst: Die Frage könnte man sich für den gesamten «Ring» stellen. Wenn man Wagner mag, dann ist die Antwort eindeutig: Ja, es muss sein. Ob der Siegfried bei mir persönlich sein muss, mit dieser Frage bin ich lange schwanger gegangen. Mittlerweile habe ich aber so viel in diesem Bereich gesungen, dass ich mir dachte: Das kann ich riskieren.
Weil sich Ihre Stimme automatisch dorthin entwickelt hat oder weil Sie das angestrebt haben?
Vor 15 Jahren habe ich einen berühmten Kollegen bei einer Korrepetition für diese Partie erlebt und dachte mir: Sehr interessant, aber ich will das nie singen müssen. Es ist unnötig kompliziert, musikalisch wie auch stimmlich. Doch dann ist mir die Entwicklung meiner Stimme quasi passiert. Jetzt finde ich es folgerichtig.
Sie haben den Siegfried der «Götterdämmerung» zunächst konzertant in Wuppertal ausprobiert. Szenisch debütieren Sie mit beiden Siegfrieden in München. Ist das nicht ein Wagnis, diese Gipfel-Partie an einem A-Haus erstmals zu singen?
Klar. Aber ich habe viele Partien erstmals an großen Häusern gesungen. Natürlich hätte ich den ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Interview, Seite 50
von Markus Thiel
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
Zunächst scheint die Begleitung eine...
Glanz der Barockoper! «L’Ercole amante» von Antonia Bembo (um 1640 bis um 1720) wurde 1707 komponiert, aber erst 2023 konzertant, dann 2025 in San Francisco szenisch uraufgeführt. Erklärt sich dieser Verzug dadurch, dass die Autorin dem sogenannten schwachen Geschlecht angehörte, dessen Vertreterinnen im 18. Jahrhundert noch mehr als heute in der Komponisten-Zunft...
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Der Mentalitätswandel, schon klar. Und ein Kulturverlust. Richard...
