Helden wie er
Herr Bruns, muss denn der Siegfried unbedingt sein?
Natürlich! Meine Mutter heißt doch Brunhilde. Aber im Ernst: Die Frage könnte man sich für den gesamten «Ring» stellen. Wenn man Wagner mag, dann ist die Antwort eindeutig: Ja, es muss sein. Ob der Siegfried bei mir persönlich sein muss, mit dieser Frage bin ich lange schwanger gegangen. Mittlerweile habe ich aber so viel in diesem Bereich gesungen, dass ich mir dachte: Das kann ich riskieren.
Weil sich Ihre Stimme automatisch dorthin entwickelt hat oder weil Sie das angestrebt haben?
Vor 15 Jahren habe ich einen berühmten Kollegen bei einer Korrepetition für diese Partie erlebt und dachte mir: Sehr interessant, aber ich will das nie singen müssen. Es ist unnötig kompliziert, musikalisch wie auch stimmlich. Doch dann ist mir die Entwicklung meiner Stimme quasi passiert. Jetzt finde ich es folgerichtig.
Sie haben den Siegfried der «Götterdämmerung» zunächst konzertant in Wuppertal ausprobiert. Szenisch debütieren Sie mit beiden Siegfrieden in München. Ist das nicht ein Wagnis, diese Gipfel-Partie an einem A-Haus erstmals zu singen?
Klar. Aber ich habe viele Partien erstmals an großen Häusern gesungen. Natürlich hätte ich den ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Interview, Seite 50
von Markus Thiel
Was das Werk sei? Das Angebot an Deutungsmöglichkeiten ist immens: Für den Komponisten war es zunächst einmal ein «Schmerzenskind, in Kummer und Sorgen während des Krieges vollendet», sodann «die letzte romantische Oper», ganz und gar «unwagnerisch». Sein Textdichter wollte für die «Frau ohne Schatten» eine «aphoristische Ethik» verankern und wählte als Motto einen...
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