Aussichtslos

Verdi: Rigoletto am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Opernwelt - Logo

Gott! Welch Dunkel hier! Was schon Beethovens bekleckerten Helden Florestan zutiefst bekümmerte (allerdings aus anderen Gründen und unter weit widrigeren Umständen), muss auch der Gast sich denken, der Anna Dreschers «Rigoletto»-Inszenierung in Tatjana Ivschinas Ausstattung im Badischen Staatstheater ansichtig wird.

Viel Hoffnung gewährt das Regieteam uns nicht, schon zu Beginn, beim Fest im Hause Ceprano, ist kaum etwas zu sehen von dem Geschehen vor dem häss -lichen stählernen Rund, das als Fassade des (im Libretto) prächtigen Palastes dient; immerhin so viel, dass die Botschaft klar wird: Eine bürgerlich-dekadente Spaßgesellschaft ist das hier wohl eher nicht. Sondern eine Truppe von ziemlich zynischen und verrohten Typen, die der Ennui längst eingesackt hat. Das Gelächter klingt hohl, die Mienen sind leergespült und finster, von Benehmen irgendeiner Art keine Spur. Was man auch daran erkennen kann, dass diese ungehobelten Kerle sich nicht einmal für die beiden übereinandergestapelten Frauenleichen interessieren, die vorn an der Rampe liegen. Tja, so ist das Leben: Wo getötet wird, fällt eben hier und da auch mal menschlicher Müll an.

Die Regie bleibt sich in diesem Pessimismus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Geschichten aus Tschirikistan

Alle Jahre wieder zeigt sich ein Gespenst auf deutschsprachigen Bühnen: Lortzings «Zar und Zimmermann». Einst ebenso oft gezeigt wie der «Freischütz» und «Fidelio», geistert das Stück nur noch als phantom of the opera durchs Land, omniprominentes Mitglied einer scheintoten Gattung namens Spieloper.

Der Mentalitätswandel, schon klar. Und ein Kulturverlust. Richard...

Drahtseilakt

Am 5. Oktober 1763, auf den Tag genau ein Jahr nach Glucks Reformoper «Orfeo ed Euridice», hatte Tommaso Traettas «Ifigenia in Tauride» in Wien Premiere – allerdings nicht im Burgtheater, sondern in Schloss Schönbrunn. Traetta war unter den Italienern neben dem seit 1754 als Hofkapellmeister in Stuttgart wirkenden Niccolò Jommelli noch vor Gluck der Erste, der...

Wissenschaft und Wahnsinn

War Operette nicht schon immer ein bisschen B-Movie? In ihren besten Fällen hat sie auf diese Weise so manches A-Movie-Musiktheater ganz unkorrekt überholt. Ob das auch für Alexander R. Schweiß’ (Musik) und Lena Reißners (Text) «B-Movie-Pulp-Operette» mit dem Titel «The Bat Bomb!» gilt, muss noch offenbleiben. Der link zum unbestrittenen Meisterwerk der Gattung ist...