Foto: Ruth Walz

Unter Beschuss

Alban Bergs «Wozzeck» als William-Kentridge-Schau in Salzburgs Haus für Mozart

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Der Boden schwankt. Da entgleitet etwas. Bereits im ersten Takt von Alban Bergs «Wozzeck» enthüllt die Partitur das Innerste dieser Oper: Zwei Akkorde in den Streichern, durch ein Glissando verbunden, bringen Form und Inhalt auf den Punkt. «Er macht mir ganz schwindlich», grantelt der Hauptmann wenig später zu Wozzeck, und genau diesen schwindelerregenden Wahn suggeriert die Musik von Anfang an; er wird konstituierend für das gesamte Stück. Und schwindelig könnte auch dem Publikum im Salzburger Haus für Mozart werden, das sich William Kentridges Bilduniversum aussetzt.

Denn der visionäre Schwarzmaler und Multimedia-Magier aus Südafrika beschießt die beengte Simultan-Bühne mit Collagen, Animationen, Filmen, Installationen, den Fratzen des Kriegs und den Angstbildern der Hilflosen. Gasmasken, Ruinen. Suchscheinwerfer durchschneiden die Nacht, ein Luftschiff schwebt drohend über den Köpfen, ein Kampfflugzeug bohrt sich in den Boden einer zerstörten Landschaft. Kentridge rekurriert vor allem auf jene animierten Kohlezeichnungen, die – in sisyphushafter Arbeit geschaffen – zu seiner Trademark wurden. Die Musik des «Wozzeck» fordere das Körnige, die Unklarheit, die Verschwommenheit der ...

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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 9
von Gerhard Persché

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