Foto: Jörg Schulze/Bayreuther Festspiele
Vom Mythos befreit
23. Juli
Ankunft in Bayreuth bei strömendem Regen. Der Grüne Hügel aufgeräumt und autofrei. Hinter dem Festspielhaus Ü-Wagen dicht an dicht, die Eröffnungspremiere am übernächsten Tag wird live übertragen: Die zuletzt ein wenig matt gewordene Marke Bayreuth soll wieder an Glanz gewinnen. Zunächst, so scheint es, vor allem durch Qualität.
Damit sie hörbar wird, hat Katharina Wagner die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit aufgestockt: Auf Instagram, Twitter und Facebook, wo bisher über die Festspiele gesprochen wurde, sprechen diese nun selbst; wo früher Mythos war, herrscht jetzt PR-Storytelling. Damit die Rechnung aufgeht, braucht es nun nur noch eins: erstklassiges Musiktheater. Die Zeichen dafür, und das spürt man, wenn man über den Hügel läuft, stehen gut.
24. Juli
Seit Ende der Probenzeit ist die zentrale Probebühne im Festspielhaus umfunktioniert zur «Ring»-Lounge: ein VIP-Raum in dunklen Brauntönen. Sponsoren und die «Freunde von Bayreuth» können für einen dreistelligen Betrag pro Aufführungstag einen Chip erwerben und sich dort bewirten lassen. Endlich internationaler Festivalstandard, sagen die, die es sich leisten können. Andere, die in der Pause am Bratwurststand Schlange ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 17
von Florian Zinnecker
Eines war von vornherein klar: Hier gilt’s dem Gaudium. Hier ist nichts ernst zu nehmen, wenn ein Stoffesel, mit zwei Menschen befüllt, im Kaiserhof des Klosterneuburger Stifts seine Runden trabt. Das 20-jährige Jubiläum der sommerlichen Opernspiele sollte ordentlich gefeiert werden, am besten mit einer handfesten Komödie, noch besser mit einer, die zum...
Zwar stürmte es nicht wie einst bei Richard Wagners Fahrt mit der Thetis durch das Kattegat. Dennoch brachte das Tief «Alfred» Ende Juli solche Wassermassen mit sich, dass selbst im baden-württembergischen Heidenheim die traditionellen Opernfestspiele mit schlechtem Wetter und erstaunlich niedrigen Temperaturen zu ringen hatten. So war nicht nur bei der...
Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt», Karl Goldmarks «Königin von Saba», Ermanno Wolf-Ferraris «Schmuck der Madonna» – das waren seltene, gar abgelegene Titel auf der Opernbühne. Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» oder Francesco Cileas «L’Arlesiana» wurden auf dem Konzertpodium wiederbelebt. In der jungen Freiburger Tradition der Wiederentdeckungen war jetzt...
