Forschergeist
Zu den Uraltklischees über Neue Musik gehört die Behauptung, sie sei hässlich, kalt, rein konstruiert: bloße Gehirnkunst, von Gehirnmenschen, nur etwas für seelenlose Wesen. Nun gehören zu bedeutender Kunst auch hohe Bewusstheit, Konzept, Kalkül, Präzision von Plan und Ausführung; und zum Kulturbetrieb Institutionen, Organisation und Management. Naturwüchsig entsteht kein Werk und keines wird so vermittelt.
Selbstverständlich gibt es im System auch coole Technokraten, die primär administrativ denken, ebenso Sektierer oder Orthodoxe, die nur eine Richtung oder Person gelten lassen wollen; mitunter gar Seilschaften höchst unterschiedlicher Art. Aber weit wichtiger für Kunst sind die hinter den Apparaten und jenseits etwaiger Dogmen: die wahren Sympathisanten der Kunst, die in und mit ihr leben, ihr Leben in sie einbringen, ja dynamohaft vorantreiben.
Wer Peter Oswald kannte, erfuhr ihn als Enthusiasten schlechthin, stets begeistert und Begeisterung erweckend. Zur Emphase gesellte sich bei ihm ein hohes Maß an Empathie für eine vielgestaltige Moderne: im konservativen Wien noch der 1980er-Jahre alles andere als selbstverständlich. Vielleicht haben gerade die obligaten Widerstände ihn ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Magazin, Seite 114
von Gerhard R. Koch
Der gemeine Klassikfreund scheint ein geduldiges Tier zu sein. Meint wohl die Branche. Allzu gerne setzt sie auf jene Leithammel, die ihre Schäflein nun seit Jahren kennen. Bei ihrem gemeinsamen Mozart-Zyklus jedenfalls vertrauen das Festspielhaus Baden-Baden und die koproduzierende Deutsche Grammophon geradezu störrisch auf den Namen Rolando Villazón. Vier...
Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt», Karl Goldmarks «Königin von Saba», Ermanno Wolf-Ferraris «Schmuck der Madonna» – das waren seltene, gar abgelegene Titel auf der Opernbühne. Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» oder Francesco Cileas «L’Arlesiana» wurden auf dem Konzertpodium wiederbelebt. In der jungen Freiburger Tradition der Wiederentdeckungen war jetzt...
Herr Breslik, Fenton, Alfredo – ist das das Verdi-Terrain, über das es nicht hinausgehen soll?
Genau, mehr will ich noch nicht wagen. Vielleicht, wenn ich mal die 40 überschritten habe, den Duca. Don Carlo oder Gabriele Adorno, dahin werde ich wohl nie kommen – aber wer weiß? Wenn die Stimme an Breite gewinnt, und dies ganz natürlich passiert, ohne dass man...
