Ungeschminkt
Ferruccio Busonis 1925 uraufgeführter «Doktor Faust» gehört zu den großen Bekenntniswerken des Musiktheaters aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekenntnisse sind bekanntlich von theatralisch sprödem Stoff und haben es entsprechend schwer auf der Bühne, sodass dieses faszinierend-problematische Stück, das Busoni über ein Jahrzehnt beschäftigte und dennoch unvollendet blieb, seit jeher mehr gerühmt als gespielt wird.
Umso bewundernswerter der Wagemut der rührigen Osnabrücker Musiktheatersparte, sich für diese strenge, handlungsarme, anti-illusionistische Gedankenkunst zu engagieren, die höchste Konzentration aller – der Ausführenden wie der Zuhörenden – einfordert.
Busoni geht in seinem selbst gedichteten, erzählerisch sprunghaften Text weniger von Goethe als vom spätmittelalterlichen Volksbuch aus. Hier setzt Andrea Schwalbachs Regie an. Ihr Faust ist ein Omnipotenzfantast, der einfach alles haben will: Macht, Ruhm, Ehre, Frauen – ein von «Genie» und «Vollkommenheitsgewalt» schwadronierender Biedermann, der zu keiner Tat fähig ist und deswegen mit Mephistopheles als einer Art Alter Ego den Teufelspakt eingeht. Schwalbach durchschaut auf nüchterne, realistisch geerdete ...
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Vom «Ende einer Ära» ist mehr oder weniger reflexhaft die Rede beim Tod einer epochalen Figur. Doch im Fall nicht weniger Musiker aus der Sowjetunion hat die Formel ihren Sinn. Brachte doch die Oktoberrevolution tatsächlich einen enormen Aufbruch in vielerlei Hinsicht; man denke nur an den Stummfilm, vor allem Eisensteins. Und in der Musik fand eine immer wieder...
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist...
In Strauss’ «Capriccio» 2016 am Theater an der Wien überzeugte uns Maria Bengtsson als Gräfin mit ihrem vorbildlich auf dem Atem phrasierten, nicht durch vermeintlich Strauss-typische, sentimentale Verschleifer entstellten Finale. Auch die Figur, die die Regie ihr abverlangte, war ungewöhnlich: mit ihren langen blonden Haaren schien sie weniger Aristokratin als...
