Ungeschminkt
Ferruccio Busonis 1925 uraufgeführter «Doktor Faust» gehört zu den großen Bekenntniswerken des Musiktheaters aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekenntnisse sind bekanntlich von theatralisch sprödem Stoff und haben es entsprechend schwer auf der Bühne, sodass dieses faszinierend-problematische Stück, das Busoni über ein Jahrzehnt beschäftigte und dennoch unvollendet blieb, seit jeher mehr gerühmt als gespielt wird.
Umso bewundernswerter der Wagemut der rührigen Osnabrücker Musiktheatersparte, sich für diese strenge, handlungsarme, anti-illusionistische Gedankenkunst zu engagieren, die höchste Konzentration aller – der Ausführenden wie der Zuhörenden – einfordert.
Busoni geht in seinem selbst gedichteten, erzählerisch sprunghaften Text weniger von Goethe als vom spätmittelalterlichen Volksbuch aus. Hier setzt Andrea Schwalbachs Regie an. Ihr Faust ist ein Omnipotenzfantast, der einfach alles haben will: Macht, Ruhm, Ehre, Frauen – ein von «Genie» und «Vollkommenheitsgewalt» schwadronierender Biedermann, der zu keiner Tat fähig ist und deswegen mit Mephistopheles als einer Art Alter Ego den Teufelspakt eingeht. Schwalbach durchschaut auf nüchterne, realistisch geerdete ...
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