Lob des Handwerks
Da sitzt er an der Orgel, im ersten Theater auf diesem Grund.» Der Operndirektor der Londoner Royal Opera schreitet sein Büro ab und erzählt von einer geplanten Händel-Serie. Die Bilder hat Oliver Mears sorgsam ausgewählt: Sie sagen viel aus über ihn, seine Suche nach einem Profil für Covent Garden. «Beggar’s Opera», Theaterbrand, Wiederaufbau. Mears unterstreicht, dass das Haus an Covent Garden nach dem Zweiten Weltkrieg geistig dem National Health Service nahe stand: für alle, nicht bloß die happy few.
Uraufführungen bleiben wichtig, sagt er, dabei deutet er auf John Pipers Entwürfe zu «Billy Budd». Spricht vor einer Szene aus Peter Brooks «Salome»-Produktion, über Autorentheater und Provokation. Mahler, Wagners «Ring» dirigierend: Symphonie-Dramatiker trifft Gesamtkunstwerk. Diese Menschenmassen, die in den 1920ern um Karten anstanden, wünscht er sich auch.
Der 39-Jährige mit den zarten Zügen tritt ernsthaft auf, er ist belesen, über die Maßen eloquent. Das passt. Einst wollte er Autor werden. Inszenierte sein erstes Drama selbst, schwenkte um auf Regie, heuerte als Assistent bei dem Dramatiker Howard Barker an. Nachdem er in London endlich seine erste Oper live gesehen hatte ...
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Die Vorstellung ist nicht ohne Charme: Dido als Adonis. Noch 1726, als Leonardo Vinci seine Vertonung des Metastasio-Librettos auf die Bretter brachte, gehörte es in Rom zum guten Ton, dass sämtliche Partien inklusive der designierten Frauenrollen mit vokal potenten Männern besetzt wurden. Und so kam es, dass der Superkastrat Domenico Giacinto Fontana alias...
Das Stück ist ein Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters. Um die 500 Aufführungen hat Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» seit der Hamburger Uraufführung 1979 erlebt. Zu Recht, glückte doch dem damals 27-Jährigen mit seiner konzentrierten Komposition ein beinahe zeitloser Wurf. Im Grunde ist diese Kammeroper ein einziger großer Monolog für einen in jeder Hinsicht...
Die einen wollen nichts sehen – gründen gar eine ganze Familienkultur darauf. Am deutlichsten wird das im vierten Akt, als Arkel die schöne Mélisande ganz und gar ungroßväterlich auf den Mund küsst, als wollte er ihr die Jugendfrische aus dem Leib saugen: «Hast du Angst vor meinen greisen Lippen?» Da legen die Umstehenden, wie so oft in Stefan Herheims...
